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Ethik in der Palliative Care

Theologische und medizinische Erkundungen

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Lea Siegmann-Würth

Palliative Care ist eine Antwort auf grundlegende Fragen der modernen Medizin: Wie weit wollen, sollen oder mMedizin: Wie weit wollen, sollen oder müssen wir Leben erhalten, verlängern und verbessern, wenn es von unheilbarer Krankheit, Alter oder Sterben begrenzt wird? Was wird für ein der menschlichen Würde und Freiheit gerecht werdendes Leben und Sterben gefordert? Ist alles medizinisch Machbare zu tun, oder widerspricht dies persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von einem guten Leben und Sterben? Und dort, wo die heutige Medizin an ihre Grenzen stösst, wie gehen wir mit dem Leiden und Sterben um? Welche Bedürfnisse stehen in diesen Situationen im Vordergrund? Wie kann ihnen für möglichst alle entsprochen werden? Was ist wesentlich in der Beziehung, in Haltung und Verhalten zueinander zwischen jenen, die unheilbar krank sind, die gehen müssen, vielleicht wollen, und jenen, die sie in dieser Situation betreuen und begleiten? Das Buch «Ethik in der Palliative Care» gibt Antworten auf diese Fragen, indem es umfassend die historischen, medizinischen, ethischen und theologischen Hintergründe von Palliative Care beschreibt und ihren Stellenwert im Schweizer Gesundheitssystem dokumentiert.

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2. Das Konzept Palliative Care 23

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23 2. Das Konzept Palliative Care Palliative Care versteht sich als ein medizinisches Konzept im weites- ten Sinne. Indem es eine möglichst umfassende Behandlung, Betreu- ung und Begleitung von kranken Menschen und ihren Angehörigen, für die Angehörigen in ihrer Trauer auch über den Tod hinaus, gewähr- leisten möchte, spricht Palliative Care verschiedene Dimensionen des Menschseins an: die somatische, psychische, soziale und spirituelle Dimension. Demzufolge sollen Patienten und Patientinnen in einer palliativen Situation und ihre Angehörigen von einem Team mit Vertre- tern der Kerndisziplinen Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Seelsorge betreut werden. Dieses umfassende Betreuungskonzept hat seine medizinischen Vorläufer. Es steht neben anderen medizinischen Konzepten und kommt auch nicht in jedem Krankheitsfall zur Anwendung. 2.1 Medizinische Konzepte in ihrer geschichtlichen Entwicklung Heute rücken die Prävention von Krankheiten, die Gesunderhaltung, die Palliation von nicht heilbaren Krankheiten und ganzheitliche Be- trachtungen vermehrt ins Blickfeld von Medizin und Gesellschaft. Bereits in früheren Epochen stand der Einklang des Menschen als Mikro- kosmos mit der Natur als Makrokosmos zur Bewahrung der Gesund- heit im Vordergrund. In der Antike mass man der Verbindung von Mensch und Natur sowie einer von der Natur und Kultur gezeichneten, sinnlich-sittlichen Lebensführung grosses Gewicht bei. Das Konzept beinhaltete ein „universales kosmologisches Schema von Elementen, Qualitäten, Säften, Organen, Temperamenten, Tages- und Jahreszeiten“ (Engelhardt 1998: 109). Viele Krankheiten konnten nicht geheilt wer- 24 den, sodass sich medizinisches Handeln auf die Linderung und Beglei- tung konzentrierte. Therapeutisch setzte man vor allem die...

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