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Un pien teatro di meraviglie

Gian Lorenzo Bernini vor dem Hintergrund konzeptistischer Emblematik

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Claudia Lehmann

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) schuf seine Kunstwerke in einer Zeit, in der die konzeptistische Poetik ( concettismo) das ultimative Regelwerk moderner Dichtung darstellte. In dieser Studie wird die Rhetorizität der Kunstwerke Gian Lorenzo Berninis vor dem Hintergrund konzeptistischer Poetik als einer Epochen bestimmenden Rhetorik beschrieben und interpretiert. Das erfolgt mit dem Rückgriff auf Texte wie Emanuele Tesauros «Cannocchiale aristotelico» (1654) und «Idea delle perfette Imprese» (um 1620) oder Matteo Peregrinis «Delle acutezze» (1639). Exemplarisch werden drei Hauptwerke Berninis in Rom untersucht: das Monument der Mathilde von Tuszien und die Vierungspfeiler in St. Peter sowie die Kapelle Cornaro in S. Maria della Vittoria. Durch die Verbindung der Werkinterpretationen mit einer an konzeptistischer Poetik ausgerichteten Emblematik gelingt eine differenzierte Auslegung der Bild-Text-Einheiten, die die Werke Berninis bestimmen.

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Kapitel I - Das Monument für Mathilde von Tuszien 37

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37 Kapitel I Das Monument für Mathilde von Tuszien Im Kloster von San Benedetto Polirone bei Mantua ziert heute ein Gemälde von 1587 von Paolo Farinati (1524–1606) das ehemalige Grabmal der Mathil- de von Tuszien (1045–1115). Es zeigt die Markgräfin zu Pferd mit einem Gra- natapfel in ihrer Rechten.1 Das Bild des Granatapfels ist eng mit Mathilde von Tuszien verknüpft. Ihre Signatur hat die Markgräfin oftmals mit dem sti- lisierten Bild eines Granatapfels versehen. Der Granatapfel wurde zu ihrer Insignie und bildete über Jahrhunderte das gängige Attribut ihrer Bildnisse.2 Doch Berninis Monument der Mathilde von Tuszien in St. Peter (Abb. 1) weist andere Attribute der Markgräfin auf: einen Herrscherstab (bastone), die päpst- liche Tiara und die Petrusschlüssel. Der Granatapfel dagegen befindet sich isoliert oberhalb der Statue Mathildes. Er ist auf einem Wappen ähnlichen Schild angebracht und von einem Band überwellt, auf dem in goldfarbener Schrift „tuetur et unit“ („schützt und eint“) geschrieben steht. In der Kombi- nation mit dem Schriftzug assoziiert das Bild des Granatapfels eine Imprese.3 In einer Imprese werden ein knapper Text und ein Bild auf ingeniös wit- zige Weise kombiniert, wodurch dem Rezipienten eine Art Rätsel offeriert wird, das in der Regel eine bestimmte Person betrifft. Die Imprese fungiert als persönliches Abzeichen einer Person, worüber ein besonderer Gedanke in Form einer spielerischen Verschlüsselung mitgeteilt werden kann.4 Da- bei wird der prädikative Teil der Imprese, der sich im Textpart ent...

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