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Un pien teatro di meraviglie

Gian Lorenzo Bernini vor dem Hintergrund konzeptistischer Emblematik

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Claudia Lehmann

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) schuf seine Kunstwerke in einer Zeit, in der die konzeptistische Poetik ( concettismo) das ultimative Regelwerk moderner Dichtung darstellte. In dieser Studie wird die Rhetorizität der Kunstwerke Gian Lorenzo Berninis vor dem Hintergrund konzeptistischer Poetik als einer Epochen bestimmenden Rhetorik beschrieben und interpretiert. Das erfolgt mit dem Rückgriff auf Texte wie Emanuele Tesauros «Cannocchiale aristotelico» (1654) und «Idea delle perfette Imprese» (um 1620) oder Matteo Peregrinis «Delle acutezze» (1639). Exemplarisch werden drei Hauptwerke Berninis in Rom untersucht: das Monument der Mathilde von Tuszien und die Vierungspfeiler in St. Peter sowie die Kapelle Cornaro in S. Maria della Vittoria. Durch die Verbindung der Werkinterpretationen mit einer an konzeptistischer Poetik ausgerichteten Emblematik gelingt eine differenzierte Auslegung der Bild-Text-Einheiten, die die Werke Berninis bestimmen.

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Kapitel II - Longinus und die Vierungspfeiler von St. Peter 61

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61 Kapitel II Longinus und die Vierungspfeiler von St. Peter Die Vierungspfeiler von St. Peter stehen im Zeichen der künstlerischen Lei- tung des Gian Lorenzo Bernini (Abb. 4). Aus den Regesten der Fabbrica di San Pietro wird ersichtlich, wie dominant die Stellung des Künstlers im Vergleich zu den anderen Mitwirkenden wie François Duquesnoy, Francesco Mochi, Andrea Bolgi, Andrea Sacchi und weiteren Künstlern gewesen ist.1 So war Bernini wohl maßgeblich am Entwurf der Skulptur des heiligen Andreas von Duquesnoy beteiligt;2 den Auftrag, die Altäre der Heiligen in der Unterkirche mit Gemälden zu versehen, erging durch Vermittlung Berninis an den Maler Andrea Sacchi.3 Für die Konzeption der Reliquien- tribünen zeichnet Bernini allein verantwortlich. Bereits Lavin hat die Reliquientribünen zusammen mit den Skulpturen der Heiligen Veronika, Longinus, Andreas und Helena in den Nischen darunter als eine Einheit interpretiert. Dass hierzu auch die Gemälde des Sacchi zu rechnen seien, findet sich in seiner Interpretation zumindest impliziert. Lavin weist zudem auf Freskendarstellungen im Gewölbe der Unterkirche hin, die ebenfalls zur programmatischen Ausstattung der Vierungspfeiler gehören dürften.4 1 Vgl. POLLAK 1931, Bd. 2, Reg. 1621–2058/1794 (Eintrag vom 28.3.1643); zu den Statuenni- schen siehe ebd., Reg. 1621–1829; zur Nische mit der Statue des Longinus, ebd., Reg. 1760–1829; zu den Reliquientribünen, ebd., Reg. 1829–2058. Bernini war seit Mai 1628 als Architekt von St. Peter verantwortlich für die Vierungspfeiler. Die beste Übersicht über die Baugeschichte und mögliche...

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