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Un pien teatro di meraviglie

Gian Lorenzo Bernini vor dem Hintergrund konzeptistischer Emblematik

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Claudia Lehmann

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) schuf seine Kunstwerke in einer Zeit, in der die konzeptistische Poetik ( concettismo) das ultimative Regelwerk moderner Dichtung darstellte. In dieser Studie wird die Rhetorizität der Kunstwerke Gian Lorenzo Berninis vor dem Hintergrund konzeptistischer Poetik als einer Epochen bestimmenden Rhetorik beschrieben und interpretiert. Das erfolgt mit dem Rückgriff auf Texte wie Emanuele Tesauros «Cannocchiale aristotelico» (1654) und «Idea delle perfette Imprese» (um 1620) oder Matteo Peregrinis «Delle acutezze» (1639). Exemplarisch werden drei Hauptwerke Berninis in Rom untersucht: das Monument der Mathilde von Tuszien und die Vierungspfeiler in St. Peter sowie die Kapelle Cornaro in S. Maria della Vittoria. Durch die Verbindung der Werkinterpretationen mit einer an konzeptistischer Poetik ausgerichteten Emblematik gelingt eine differenzierte Auslegung der Bild-Text-Einheiten, die die Werke Berninis bestimmen.

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Kapitel IV - Die Verortung des Interpretierten im Wahrnehmungs- und Wissenskonzept konzeptistischer Poetik 183

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183 Kapitel IV Die Verortung des Interpretierten im Wahrnehmungs- und Wissenskonzept konzeptistischer Poetik Von Ludwig XIV. von Frankreich ist eine Äußerung überliefert, die seinen Anspruch an Kunst in einem klaren Gegensatz zeigt zu den Zielvorgaben, die von theologisch und kirchlich orientierten und vor allem von italienischen Poetologen und Kunsttheoretikern des Cinque- und Seicento an Kunst heran- getragen werden. Er möchte nicht erst noch lange darüber nachdenken müssen, was das Kunstwerk vermitteln wolle und sich dessen Bedeutung über das interpretatorische Auslegen seiner verschiedenen Bestandteile er- schließen. Ein Kunstwerk, zumal ein Repräsentatives, müsse augenschein- lich und auf einen Blick verständlich sein, klare Aussagen oder Vorstellungen eindeutig vergegenwärtigen.1 Das Monument eines Herrschers, das diesen in einer ekstatischen Verzückung auf seinem Pferd zeigt, so dass ein Betrach- ter sich auch zur Äußerung hinreißen lassen kann, er sitze darauf wie ein Affe auf einem Kamel, findet entsprechend Missbilligung.2 Auch das Bild der Teresa von Avila, das Bernini im Akt der Transverberation wiedergibt, kann die Platt- form für ähnlich ungnädige Urteile bilden. Die Ursache dafür liegt in der scheinbaren Fragwürdigkeit der würdigen Repräsentation einer bedeuten- den Persönlichkeit begründet. Wenn eine Heilige in einer eindeutig erotisch konnotierten Körperhaltung und Mimik dargestellt wird, dann wirft das Fra- gen auf, doch primär eine eher erstaunte, wenn nicht gar empörte Reaktion seitens des Betrachters. Damit ist etwas Unerwartetes, aber auch auf den 1 Die Probleme, die sich...

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