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Helvetische Merkwürdigkeiten

Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert

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Edgar Bierende, Sibylle Hoiman, Anna Minta and Matthias Noell

Dieser Band versammelt die Beiträge der Tagung «Helvetische Merkwürdigkeiten. Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert». Im Zentrum der Beiträge stehen bildliche und narrative Entwürfe, die von jeher das Bild der Schweiz prägten. Diese Entwürfe, so genannte helvetische ‘Merkwürdigkeiten’, werden aus Sicht der Kunst- und Kulturgeschichte vorgestellt und untersucht. Viele der Bilder und Texte avancierten in der Eigen- wie auch in der Fremdwahrnehmung zu Trägern einer nationalen Identität: Sie wurden zum kulturellen Erbe der Eidgenossenschaft stilisiert und darüber hinaus zu Idealen der westlichen Welt verklärt. Das Spektrum der unterschiedlichen Vorstellungs- und Bildwelten umfasst verschiedene Kunstgattungen, darunter Architektur, Malerei, Grafik, Gartenkunst, Flachschnitzerei und Glasmalerei. In den Beiträgen werden die Artefakte und Phänomene bezüglich ihrer Konstruktionen hinterfragt und unter verschiedenen Aspekten – etwa im Kontext von Erinnerungskulturen, Identitätskonstruktionen, Historiografien, Inventarisierungen, Sammlungspolitik, Ausstellungskonzeptionen und Denkmalinszenierungen – diskutiert. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Strukturen und Strategien offen zu legen, die seit dem 18. Jahrhundert zu den vermeintlich authentischen, typischen und letztlich nationalen Bildwelten der Schweiz führten.

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GUY P. MARCHAL Zum Geleit 7

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Zum Geleit Als ich in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, irritiert durch Quellenaussagen, die damals nach meinem Dafürhalten noch kaum richtig verstanden wurden, damit begann, mich intensiv mit Selbstverständnis und Selbstpräsentation in der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft ausein- anderzusetzen, da entwickelte sich eben in der französischen Mediävistik eine neue und belebende Fragestellung mit ihren eigenen methodischen Forderungen: Es war dies die histoire des mentalités. „Die Mentalitäten- geschichte“, so damals im Jahr 1974 Georges Duby programmatisch, stellt ein riesiges, noch kaum angegangenes Forschungsfeld dar. Sie hat keine spezifischen Quellen, sondern bedingt ein erneutes Wieder-lesen von Quellen, die bis anhin unter einem anderen Gesichtspunkt benutzt worden sind, von den literarischen und künstle- rischen Werken bis hin zu Testamenten und Rechtstexten. Die Mentalitätengeschichte muss sich auch auf nicht-schriftliche Quellen und archäologische Gegenstände abstützen, vornehmlich die gewöhnlichen, die aussagekräftiger sind als die Meisterwerke. In der Tat werden Ideologien im Mittelalter viel mehr durch Zeichen und Symbole vermittelt als durch Texte, was der Kunst und Ikonographie eine grundlegende Bedeutung in die- sem Forschungsbereich verleiht.1 Das war damals, als ,Geschichte‘ sich als Politik-, Wirtschafts- und Sozial- geschichte oder dann als Geistesgeschichte darbot, ein höchst innovatives Programm, das ganz allgemein die menschliche Befindlichkeit und Wahr- nehmung ins Zentrum des historischen Interesses rückte. Für Historiker bedeutete das zunächst einmal eine völlig ungewohnte Ausweitung der zu berücksichtigenden Quellengrundlage. Aber diese von Duby bloss angedeu- tete Auffächerung all der...

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