Show Less

Helvetische Merkwürdigkeiten

Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert

Series:

Edgar Bierende, Sibylle Hoiman, Anna Minta and Matthias Noell

Dieser Band versammelt die Beiträge der Tagung «Helvetische Merkwürdigkeiten. Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert». Im Zentrum der Beiträge stehen bildliche und narrative Entwürfe, die von jeher das Bild der Schweiz prägten. Diese Entwürfe, so genannte helvetische ‘Merkwürdigkeiten’, werden aus Sicht der Kunst- und Kulturgeschichte vorgestellt und untersucht. Viele der Bilder und Texte avancierten in der Eigen- wie auch in der Fremdwahrnehmung zu Trägern einer nationalen Identität: Sie wurden zum kulturellen Erbe der Eidgenossenschaft stilisiert und darüber hinaus zu Idealen der westlichen Welt verklärt. Das Spektrum der unterschiedlichen Vorstellungs- und Bildwelten umfasst verschiedene Kunstgattungen, darunter Architektur, Malerei, Grafik, Gartenkunst, Flachschnitzerei und Glasmalerei. In den Beiträgen werden die Artefakte und Phänomene bezüglich ihrer Konstruktionen hinterfragt und unter verschiedenen Aspekten – etwa im Kontext von Erinnerungskulturen, Identitätskonstruktionen, Historiografien, Inventarisierungen, Sammlungspolitik, Ausstellungskonzeptionen und Denkmalinszenierungen – diskutiert. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Strukturen und Strategien offen zu legen, die seit dem 18. Jahrhundert zu den vermeintlich authentischen, typischen und letztlich nationalen Bildwelten der Schweiz führten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

TOBIAS PFEIFER-HELKE Grenzgänge der Linie. Über das Zeichnen der Alpen und die Folgen für die Landschaftsdarstellung um 1800 41

Extract

Grenzgänge der Linie. Über das Zeichnen der Alpen und die Folgen für die Landschaftsdarstellung um 1800 Tobias Pfeifer-Helke Im Jahr 1814 wurde auf dem privaten Grundbesitz des Malers Marquard Wocher (1760–1830) im Basler Sternengässlein das erste Panoramagebäude der Schweiz eröffnet.1 Auch wenn es mit einem Durchmesser von 11,4 Me- tern im Vergleich zu den späteren Grosspanoramen in den europäischen Metropolen geradezu bescheiden wirkt, ist es eines der wichtigsten Dokumen- te für den zeichnerischen, künstlerischen und kulturhistorischen Wandel um 1800, der seinen deutlichsten Ausdruck in der Verwendung einer neuen medialen Form fand. Die Errichtung eines ganzen Gebäudes, um allein ein Bild auszustellen, ist Symptom für eine grundlegende Veränderung, die sich innerhalb der Schweizer Landschaftsdarstellung in dieser Zeit vollzog. Zu sehen ist eine Rundansicht (Abb. 1 und 2) der Ortschaft Thun mit Gebäuden und Details wie Läden und Restaurants. Darüber hinaus sind das nahe Seeufer, die angrenzenden Wiesen, Wälder und Höfe sowie schliesslich in der Ferne die Alpengipfel dargestellt. Thun war um 1800 einer der beliebtesten Touristenorte in der Schweiz. Von hier wurden Aus- flüge nach Interlaken und Grindelwald, ins Haslital, zu den Wasserfällen wie dem Staubbach- und dem Reichenbachfall unternommen sowie die Gletscher als direkter Kontakt zu den Eismassen der Gebirge aufgesucht. 1 Aus der Fülle zum Basler Panorama sei hier die wichtigste Literatur angegeben: H. Albert Steiger, Marquard Wocher (1760–1830), in: Basler Jahrbuch 1943, S. 18–35;...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.