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Der Erzählraum als Reflexionsraum

Eine Untersuchung zur "Minnelehre</I> Johanns von Konstanz und weiteren mittelhochdeutschen Minnereden

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Susanne Uhl

Die mittelhochdeutschen Minnereden können als eine Modeerscheinung innerhalb der spätmittelalterlichen Literaturproduktion bezeichnet werden, an der sie vom Ende des 13. bis ins 16. Jahrhundert hinein mit mehr als 500 höchst unterschiedlichen Texten beteiligt sind. Nachdem sie in der Forschung lange als wenig origineller Nachklang der höfischen Epik und Minnelyrik gesehen wurden, versucht die vorliegende Arbeit anhand eines repräsentativen Querschnitts die spezifischen Eigenarten und Erzählstrategien, das Spannungsfeld von Tradition, Innovation und Reflexion und die kulturelle Leistung der Gattung herauszuarbeiten. Die Minnereden werden dabei als Teil des mittelalterlichen Minne-Diskurses begriffen, an dem sie mit einem spezifischen Reden und Reflektieren über Minne und über ein sich exemplarisch ins Zentrum stellendes Ich teilhaben. Dabei werden zum ersten Mal auch Texte berücksichtigt, die nicht aus der Perspektive eines männlichen, sondern eines weiblichen Ich verfasst sind.

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8 Gender 260

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8 Gender Die Frage nach der Konstitution des Geschlechts und der Geschlechter- differenz hat sich seit den 80er Jahren in der mediävistischen Forschung etabliert, nachdem zuvor aus der Perspektive eines feministischen Ansatzes lediglich nach dem spezifisch Weiblichen in der mittelalterlichen Literatur gefragt wurde. Die Kategorie ‹Gender› bedeutet demgegenüber eine Öff- nung und grundlegende Änderung der Untersuchungsperspektiven. An- geregt durch die viel diskutierten Arbeiten von Judith Butler1 wird der Terminus nicht mehr im biologischen (engl. ‹sex›), sondern in einem so- ziokulturellen Sinn (engl. ‹gender›) verwendet. Es steht nicht mehr das genuin Weibliche im Gegensatz zum Männlichen im Zentrum,2 sondern die Geschlechter werden in einem Verhältnis wechselseitiger Konstituierung und Beeinflussung betrachtet, die wiederum das Ergebnis kultureller und gesellschaftlicher Einschreibungen sind.3 In der Forschung zu den Minne- reden wurde die ‹Gender›-Thematik bisher weitgehend ausgeblendet. Le- diglich im Zusammenhang mit kasuistischen Texten, dem Motiv ‹Minne- gericht›, wurden Überlegungen zur Rolle der Frau in den Minnereden und einer eventuell dahinterstehenden sozialen oder kulturellen Praxis ange- stellt.4 Eine Ausnahme bilden die Arbeiten von Ann Marie Rasmussen 1 So Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Aus dem Amerikanischen von Katharina Menke. Frankfurt a.M. 1991 oder dies.: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Berlin 1995. 2 Gegenüber diesem starren oppositionellen und hierarchisierten Denken haben sich in den Kulturwissenschaften, als deren Teil die Gender-Studies zu betrachten sind, weitere theoretische Ansätze etabliert wie Queer-Studies oder Transgender- Studies. 3 Zu Bedeutung und Entwicklung der Gender-Theorie in der Germanistischen Mediävistik...

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