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Der theoretische Raum der Wissenschaftssprache

Untersuchungen über die funktionale Konstitution einer Wissenschaftssprachtheorie und deren Anwendung in der Praxis

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Giancarmine Bongo

Welche sind die Bedingungen und Perspektiven der linguistischen Frage nach der Wissenschaftssprache? Was ist eigentlich im linguistischen Sinne «Wissenschaftssprache»? Die vorliegende Untersuchung geht von den vom Prager Funktionalismus geprägten Ursprüngen der Wissenschaftssprachbetrachtung aus. Sie bestimmt den spezifischen theoretischen Raum der Wissenschaftssprache und analysiert die Ergebnisse der bisherigen Forschung auf dem Gebiet des Deutschen als Wissenschaftssprache. Die Auseinandersetzung mit der Archäologie des Wissens von Foucault bietet Lösungsansätze für konzeptuelle Schwierigkeiten und empirische Analysen. Eine funktionale Annäherung an die Einleitungen zu wissenschaftlichen Zeitschriftenaufsätzen rundet die Untersuchung ab.

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1.2 Ansätze einer Wissenschaftssprachtheorie 15

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15 Sprachwissenschaft zum Ausgangspunkt der Reflexion gemacht. Es handelt sich um eine Reihe von Einsichten und Überlegungen, aufgrund derer die „Wissenschaftssprache“ bereits als eine mehr oder weniger autonome Kategorie erkannt werden kann; im Folgenden wird versucht, den entscheidenden theoretischen Moment zu be- stimmen, an dem die Wissenschaftssprachtheorie in der Fachsprachen- forschung aufging (oder vielleicht besser aufgehen musste), um schließlich zur zeitgenössischen Wissenschaftssprachforschung und deren Ergebnissen zu gelangen – einer zeitgenössischen Forschung, die unter einem theoretischen Gesichtspunkt sowohl durch die tra- ditionelle Bindung zur Fachsprachenforschung als auch durch den Ver- such, eine eigenständige Wissenschaftssprachtheorie (erneut) zu ent- wickeln, charakterisiert ist. 1.2 Ansätze einer Wissenschaftssprachtheorie 1.2.1 Wissenschaftssprache und funktionale Sprachbetrachtung „Eine eigenständige sprachwissenschaftliche Betrachtung von Wissen- schaftssprache zeichnet sich erst im Verlauf des zwanzigsten Jahrhun- derts ab“ (Roelcke 1999, S. 595). Die Anfänge des linguistischen In- teresses für die „Wissenschaftssprache“ sind insbesondere durch die theoretischen Versuche der Prager Schule geprägt. Wir verdanken die Thematisierung dieses Forschungsgegenstandes vor allem den Arbeiten von Bohuslav Havránek, einem der frühesten Mitglieder des Prager Linguistenkreises und einem bedeutenden Vertreter dessen so genann- ter „klassischer Periode“13. Havránek ordnet die Wissenschaftssprache im Rahmen einer funktionalen Sprachbetrachtung als „functional dialect“ [funkní jazyk], d. h. als funktionale Varietät der Standard- bzw. 13 Zur Geschichte der Prager Schule vgl. z. B. Vachek 1966b, S. 3–14, und Beneš/Vachek 1971. 16 Schriftsprache, ein. Seine funktionale Sprachdifferenzierung wird von ihm im folgenden Schema zusammengefasst (Havránek 1964 [1932], S. 14)...

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