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Kindheit zwischen West und Ost

Kinderliteratur zwischen Kaltem Krieg und neuem Europa

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Edited By Gunda Mairbäurl and Ernst Seibert

Von der Nachkriegszeit bis zur sogenannten Wende, in einem Zeitraum dreier Generationen also, in dem ein vereintes Europa Wirklichkeit geworden ist, vollzog sich ein Wandel nicht nur der politischen und ökonomischen Verhältnisse, sondern auch im Verhältnis der Generationen zueinander. Dieser Generationenwandel, der im historischen Verständnis kaum zur Sprache kommt, widerspiegelt sich in Familiengeschichten und in der Literatur, nicht zuletzt in der Literatur für Kinder und Jugendliche in allen europäischen Ländern.
Die vorliegende Beitragssammlung dokumentiert ein Symposion von Kinder- und Jugendbuchfachleuten aus acht europäischen Ländern und geht der Frage nach, welche Ideen, Wünsche, Hoffnungen, aber auch Realitäten und kritischen Haltungen Kindern und Jugendlichen in dieser Zeitepoche literarisch vermittelt wurden und wie sich in der Kinder- und Jugendliteratur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Modernisierungsprozesse abzeichnen, die den gesellschaftlichen Wandel begleiten, reflektieren oder auch mit beeinflussen.

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Jana Baroková (Tschechien) Tschechische Mädchenliteratur der Sechzigerjahre (Helena Šmahelová, Stanislav Rudolf, Valja Stýblová, Vera Adlová, Iva Hercíková und Alena Santarová) 79

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JANA BAROKOVÁ (TSCHECHIEN) Tschechische Mädchenliteratur der Sechzigerjahre (Helena Šmahelová, Stanislav Rudolf, Valja Stýblová, Vra Adlová, Iva Hercíková und Alena Santarová) Einführung Tschechische Prosa nach 1945 In der Prosa der frühen Nachkriegsjahre wirkte die fortwährende Spannung zwischen der Kinderliteratur, die als verantwortliche schöpferische Bemühung postuliert wurde, und der Literatur, die kon- junkturelle Kommerzlektüre darstellte, die den einfachsten Leser- wünschen angepasst wurde fort. Kurz nach dem Krieg entstanden Bücher von dauerhafter künstlerischer Gültigkeit und Ernsthaftigkeit, z.B. Prosa von Josef Langer Dti a dýka (Kinder und Dolch), die Erzählung von Bohumil íha Na útku (Auf der Flucht) oder das Buch von Zdeka Bezdková íkali mi Leni (Man nannte mich Leni) über das Mädchen, das im Krieg nach Deutschland zur sogenannten Umer- ziehung verschleppt wurde. Vorübergehend wird jedoch auch die Gattung der eher trivialen „Bubenromane“ belebt, die von der aktu- ellen Thematik der Kriegsereignisse, der Befreiung, der Widerstands- bewegung im Ausland, der Partisanenkämpfe usw. gezehrt haben. Anfang der 1950er-Jahre endeten diese Kommerzbemühungen, die das Niveau des üblichen Kinderbuches bis zur Schundliteratur herabgesetzt hatten. Gleichzeitig erschienen erste Versuche einer ge- sellschaftlich aktuellen Kinderprosa mit einer starken ideologischen und formativen Prägung. Diese Tendenz widerspiegelte elementare Gesellschaftsveränderungen des Jahres 1948, als die AutorInnen eine 80 allgemein gültige sozialistische Kinder- und Jugendkunst formten. An erster Stelle ist das einheitliche Schulwesen anzuführen, das an das Ideal demokratischer Pädagogen der Vorkriegszeit anknüpfte und die soziale...

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