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Geschichte der Gesamtsatzstrukturen vom Althochdeutschen bis zum Frühneuhochdeutschen

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Edited By Franz Simmler and Claudia Wich-Reif

Gesamtsätze, ihre Strukturen und Funktionen wurden in der historischen Syntax des Deutschen bisher vernachlässigt. Ihre Behandlung ist das Ziel der neun Beiträge dieses Sammelbandes. Alle Arbeiten sind empirisch orientiert und berücksichtigen bisher noch nicht ausgewertete Materialien vom Althochdeutschen bis zur Gegenwartssprache. Theoretisch geklärt werden die Termini Gesamtsatz, Ganzsatz und Periode, das Verhältnis von Vers und Satz in der Bibelsprache und die Möglichkeiten der Ermittlung von Satzgrenzen bei Überlieferungen, in denen in der Gegenwartssprache bekannte Normen der Begrenzung nicht existieren. Neu ist die Verbindung von Syntax und Textlinguistik, indem die Relevanz der Gesamtsätze bei der Konstitution einzelner Textsorten wie Prosaroman, Erzählung, Zunftsatzung, Biographie, Bericht, Vision, Vita Christi und Ordensregel herausgearbeitet wird.

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Grund und Folge: Beobachtungen zur komplexen Syntax in der Luther-Biographik (1546–1600) Britt-Marie Schuster 177

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Grund und Folge: Beobachtungen zur komplexen Syntax in der Luther-Biographik (1546–1600) Britt-Marie Schuster 1. Gegenstand und Erkenntnisinteresse Im Mittelpunkt des folgenden Beitrags steht die 1566 von Johannes Mathesius herausgegebene Lutherbiographie „Hi£torien/ Von des Ehrwirdigen in Gott Seligen thewren Manns Gottes/ Doctoris Martini Luthers/ anfang/ lehr/ leben vnd £terben/ [...]“, die das Lutherbild nicht nur der Frühen Neuzeit entschei- dend beeinflusst hat. Herangezogen wurden jedoch auch andere biographi- sche Schriften aus dem 16. Jahrhundert (s. 2.). Besonders für die Schrift Mathesius’ sind komplexe Hypotaxen charakteristisch, die jedoch, auch aus einer heutigen Perspektive, gut verständlich bleiben. Nachdem im Folgenden die Wahl des Gegenstandes begründet worden ist (2.), erfolgt eine kurze Aus- einandersetzung mit den vorliegenden Untersuchungen zum komplexen Hypotaxen- und Periodenbau im Frühneuhochdeutschen und in der Gegen- wart, die verdeutlichen soll, dass dieser häufig aus einer textsyntaktischen, gar -stilistischen Perspektive betrachtet wird (3.). So wird die Wahl bestimmter Gefüge nicht nur häufig mit dem Kommunikationsgegenstand und der anvi- sierten Rezipientengruppe, sondern auch mit historisch variablen Stilidealen in einen Zusammenhang gebracht. Stellenweise wird die Präferenz für be- stimmte Gefüge mit sozialgeschichtlichen Entwicklungen parallelisiert, so dass komplexen Gefügen der barocken Zeremonialästhetik ein Prestigewert zugestanden wird, der dann durch eine einfachere, weil „aufgeklärte“ Syntax abgebaut wird. Auf der Grundlage eines Korpus biographischer Schriften und der Beschreibung eines Teilbereichs der Gesamtsatzstrukturen (4.) soll einerseits die Berechtigung textsyntaktischer und im weiteren Sinne funktio- naler Zugangsweisen unterstrichen, andererseits sollen (vermeintlich) epo- chenspezifische Charakteristika...

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