Show Less

Exil im Nebelland.- Elisabeth Castoniers Briefe an Mary Tucholsky

Eine Chronik

Series:

Edited By Deborah Vietor-Engländer

Elisabeth Castonier, die 1894 in Dresden geborene Tochter des Malers Felix Borchardt, in Dresden, Paris und Berlin aufgewachsen, begann 1917 als Journalistin zu arbeiten. Ende der Zwanzigerjahre hatte sie mit Feuilletons und Zeitungsromanen in Berlin ihren Platz gefunden. Ihr erstes Theaterstück kam im Februar 1933 in Berlin auf die Bühne. Die gegen Hitler kritische Journalistin flüchtete nach Wien, dann 1938 nach England. Sie schrieb zuerst Kinderbücher, dann Eternal Front, ein wichtiges Buch über den religiösen Widerstand in den von Deutschland besetzten Ländern, und war zehn Jahre lang als Landarbeiterin tätig. Das vorliegende Buch enthält ihre Briefe, welche sie von Dezember 1950 bis zu ihrem Tod im September 1975 an die geschiedene Frau und Erbin von Kurt Tucholsky, Mary Tucholsky, geschrieben hatte. Die Korrespondenz stellt eine detaillierte Chronik ihres englischen Exils und ihres früheren Lebens in Deutschland dar.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Briefe von Elisabeth Castonier an Mary Tucholsky 11

Extract

11 1 [Schreibmaschine] FROYLE MILL FARM, ALTON, Hants. 12.12.50 Sehr geehrte Frau Gerold-Tucholsky, Mit einigen Schwierigkeiten habe ich endlich „Gruss nach vorn“ und „Na und“ in London bekommen. Und ich möchte Ihnen nur sagen, wie sehr ich – wieder – Tucholskys Schriften „genossen“ habe, wenn so ein dummes Wort das ausdrücken kann. Er ist heute fast lebendiger denn je – gespenstisch lebendig. Ich traf ihn nur einmal im Ullstein-Verlag, vor 20 oder mehr Jahren und vermisste so sehr seine Schriften, als seine Vorhersagun- gen sich dann erfüllten. Schrieb er ausser Gripsholm nicht etwas in den Jahren 32–35? Und wo? Sind Sie Frau, Schwester oder Tochter? Verzeihen Sie, es ist keine Neugier, sondern nur Interesse und auch Freude, dass jemand noch den Namen trägt. Mit Dank und Gruss Ihre Elisabeth Castonier 2 [Schreibmaschine] FROYLE MILL FARM, ALTON, Hants. 20.4.51 Liebe Frau Tucholsky, Ich wollte Ihnen schon längst für Ihren freundlichen Brief danken. Aber ich bin seit Jahren nur noch ein viertel Mensch und oft bettlägrig. 12 Ich freue mich so, dass T’s Bücher wieder herausgegeben werden – allerdings leider so gereinigt, denn was er damals schrieb, gilt ja wieder, vielleicht sogar stärker. Freunde von mir in Nürnberg haben sich alle seine Bücher be- stellt – hier in England sind sie rasend teuer für den normalen im Exil lebenden Menschen. Ob ich nach Berlin komme, hängt von Verlegern ab, auf die ich meine Hoffnungen setze, wie dies zum Beruf gehört. Ich weiss...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.