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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Vorwort 7

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Vorwort Seit 1996 führt die Europa-Universität Viadrina in Zusammenarbeit mit der Universität Wrocław ein Forschungsprojekt zum Thema „Theorie und Ge- schichte des Feminismus“ durch, an dem sich seit einigen Jahren auch die Universität Katowice beteiligt. Ziel des Projektes ist es, die Ausprägungen des Feminismus und die unterschiedlichen Traditionen der feministischen Forschung in West- und Osteuropa zu untersuchen. Dies geschieht in einer Reihe von wechselweise in Frankfurt (Oder) und in Wrocław stattfindenden Arbeitstreffen (Workshops, Konferenzen, Symposien und Seminaren). Die Forschungsergebnisse der Treffen werden kontinuierlich in Sammelbänden veröffentlicht so, dass das Projekt bereits über eine beachtliche Bibliogra- phie verfügt.1 Bislang standen vier Schwerpunktthemen im Zentrum. Anhand der Ana- lyse der Bilder von der „neuen Frau“ in den Moderne- und Modernisie- rungsprozessen des 20. Jahrhunderts wurden zeitverschobene und unter- schiedliche Entfaltungen weiblicher Selbstentwürfe in West- und Osteuropa betrachtet. In einem zweiten Arbeitsschritt wurden „Mutterbilder und Mütter- lichkeitskonzepte“ im ästhetischen Diskurs untersucht. Der Erweiterung der Identitätsfragen von den geschlechtlichen auf nationale Aspekte und der Un- tersuchung des Zusammenhangs von „Nation und Gender“ galt der nächste Arbeitsschritt. Die vierte Konferenz beschäftigte sich unter komparatisti- schem und interdisziplinärem Aspekt mit dem Thema „Maria als kulturelles Konstrukt“. Mit dem Thema der jüngsten Konferenz „Der weibliche Blick auf den Orient. Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich“, die im Oktober 2009 in Frankfurt (Oder) und Słubice stattfand, wurde der Fokus der Identitätsbilder und -bildungen über den europäischen Rahmen hinaus...

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