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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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„Auf den Inseln italienisch-lebendiger Charakter, auf dem Gebirge orientalische Ruhe.“ Ida von Düringsfelds Aus Dalmatien (1857) 83

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„Auf den Inseln italienisch-lebendiger Charakter, auf dem Gebirge orientalische Ruhe.“ Ida von Düringsfelds Aus Dalmatien (1857) Anna Gajdis Die im Jahre 1852 von Ida von Düringsfeld (1815–1876) unternommene Reise nach Dalmatien war eine der ersten weiteren Reisen der Autorin, die sie auch später sicherlich zu ihren nächsten Reisen durch Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich angeregt hat. Als 19jähriges Mädchen hatte sie ihre erste Gedichtsammlung herausgegeben und dann zahlreiche Romane, wie Der Stern von Andalusien (1838) oder Schloss Goczyn (1841) publiziert. 1845 war sie zum ersten Mal mit dem Werk Byrons Frauen unter ihrem Namen an eine Öffentlichkeit getreten, also galt sie zu Beginn der Reise bereits als namhafte Autorin einiger Romane.1 Sie gehört auch zu den wenigen schreibenden Frauen, die alle Reisen mit ihrem Mann Freiherrn Otto von Reinsberg antrat, ansonsten wurde sie in Dalmatien von ihrem kleinen Söhnchen Marco begleitet. Da die Eheleute von Reinsberg vor allem die sprachliche und ethnologische Weiterbildung im Sinn hatten, arbeiteten sie oft zusammen, und beide waren schriftstellerisch tätig.2 Ida von Düringsfelds Bild von Dalmatien besteht aus unterschiedlichen Elementen, darunter auch aus den orientalischen und darauf wird im Text Bezug genommen. Ihr Weg führt in ein Land, das zwischen Venedig (bis 1797), Österreich und Ungarn lag und von dem große Teile bis 1878 zum Osmanischen Reich gehörten.3 Dalmatien, die damalige österreichische Pro- vinz, schien Mitte des 19. Jahrhunderts ein fremdes, exotisches und halb barbarisches Land zu sein. „Sie reisen nach...

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