Show Less

Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

Series:

Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

(Un)heimliche Exotismen. Schwedische Orientbilder in den Reisebüchern Fredrika Bremers und Selma Lagerlöfs 99

Extract

(Un)heimliche Exotismen. Schwedische Orientbilder in den Reisebüchern Fredrika Bremers und Selma Lagerlöfs Grayna Barbara Szewczyk In den schwedischen Reisebeschreibungen des 19. Jahrhunderts finden so- wohl die Ideen von Regionalbewusstsein und Skandinavismus1 als auch Konzepte des Fremden ihren literarischen Niederschlag. Mit der Wieder- entdeckung des Eigenen und des Nationalen steigt das Interesse der Rei- senden für fremde Kulturen und die Welten des Anderen. Da zwischen dem Eigenen und dem Fremden ein wechselseitiges Verhältnis besteht, er- füllt das Fremde eine „fermentive Funktion“2 bei der Konstruktion des Eigenen und der Identitätsbildung. „Die gebildeten Schichten Schwedens reisen gern und viel […] ohne die Gefahr innerer Zersplitterung“ – bemerkt Walter Berendsohn. „Sie tragen das erworbene Fremdgut heim und machen davon das zu ihrem Eigentum, was sich fest der heimischen Bildung einfügen lässt.“3 Als entsprechende Projektionsflächen der reisenden Schriftsteller dienen in erster Linie Länder des südlichen Europa und des Orients. Während die Italienbegeisterung Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, nicht zuletzt durch skandinavi- sche Künstlerkolonien in Rom, erreicht, beruhen das vermehrte Aufkommen und die Aufarbeitung orientalischer Stoffe in dieser Zeit allein auf der Re- zeption von literarischen Vorgaben. Anfang des Jahrhunderts erscheinen die ersten Übersetzungen der Werke von Byron (Don Juan), Goethe (West- östlicher Divan) und Francois Chateaubriand (Atala), die die Dichter der schwedischen Romantik, z. B. Carl Jonas Almquist oder Vilhelm Palmblad, inspiriert und ermuntert haben, sich des Themas „Orient“ anzunehmen. Die exotische Fremde zeigt sich attraktiv, sie wird jedoch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.