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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

Series:

Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Alleinreisende Frauen in der Kolonie: Reiseberichte als Medium zur Popularisierung kolonialer Machtpolitik 149

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Alleinreisende Frauen in der Kolonie: Reiseberichte als Medium zur Popularisierung kolonialer Machtpolitik1 Britta Frede2 Dezember 1933. Odette du Puigaudeau (1894–1991) und Marion Sénones alias Marcel Borne-Kreutzberger (1886–1977) brachen zu ihrer ersten ge- meinsamen Reise nach Afrika auf. Ihre beschränkten finanziellen Mittel ließen sie gemeinsam mit Langustenfischern von der Bretagne nach Port- Étienne, dem heutigen Nouhadibou, in die französische Kolonie Mauretanien segeln. Sie waren die ersten Frauen, die in den 1930er und 1940er Jahren ohne militärische Begleitung diese westliche Region der größten Sandwüste der Welt bereisten. Einen großen Teil des Weges legten sie auf dem Rücken von Kamelen zurück. Von Oase zu Oase, von Kolonialposten zu Kolonial- posten ritten sie auf ihrer ersten Reise Ende 1933 von Port-Étienne nach Boutilimit und weiter in die Region Assaba. Nach einem krankheitsbeding- ten Abstecher nach Dakar fuhren sie über Saint Louis nach Mauretanien zurück,3 besuchten Nouakchott, Atar, Chinguetti und Wadan. Im Februar 1934 kehrten sie wohlbehalten nach Frankreich zurück. 1 Dieser Artikel ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung von Britta Frede: Nur ein Nomade kann ein Held sein – drei Saharareisen von Odette du Puigau- deau (1894–1991) und Marion Sénones (alias Marcel Borne-Kreutzberger, 1886–1977). In: Orientalische Reisende in Europa – Europäische Reisende im Na- hen Osten: Bilder vom Selbst und Imaginationen des Anderen. Hrsg. von Zita Ágota Pataki und Bekim Agai. Berlin 2010, S. 135–158. (=Bonner Islamstudien 17) 2 Die Bearbeiterin bereitet derzeit ihre Dissertation...

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