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Der weibliche Blick auf den Orient

Reisebeschreibungen europäischer Frauen im Vergleich

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Miroslawa Czarnecka, Christa Ebert and Grazyna B. Szewczyk

Der von Edward Said angeregte Orientalismus-Diskurs über den westlichen Blick auf den Orient weist auf die überwiegend durch Stereotype und Vorurteile geprägte Betrachtungsweise des Okzidents hin. Dabei geht Said stillschweigend von einem männlichen Diskurs aus, gestützt auf zumeist von Männern verfasste Texte und Bilder – wie etwa der Topos von Feminisierung und Sexualisierung des Orients als des unterlegenen, exotischen Anderen. Wie aber nehmen Frauen den Orient wahr? Verstärken und unterstützen sie die männliche Sichtweise oder konterkarieren oder variieren sie sie?
Forschungsgegenstand dieses Bandes sind Aufzeichnungen europäischer Frauen, die in Begleitung ihrer Männer oder allein den Orient bereisten und ihre Eindrücke in Berichten, Tagebüchern oder Briefen zu Papier brachten. Die geschilderten Begleitumstände der Reisen werden eingehend analysiert, da sie die Perspektive des Eigenen entscheidend mitbestimmen. Von der Forschung bislang noch kaum wahrgenommene Reiseschriftstellerinnen aus osteuropäischen Regionen werden in die Untersuchung einbezogen und als Teil der europäischen Kulturgeschichte ins Blickfeld gerückt. Auch Texte von orientalischen Schriftstellerinnen werden berücksichtigt: In ihrem Spiegel wird die Wahrnehmung der Europäerinnen auf den Orient kritisch überprüft und gelegentlich auch revidiert. Der Band präsentiert die Ergebnisse des internationalen Symposiums «Der weibliche Blick auf den Orient», das vom 5. bis 7. Oktober 2009 in Słubice stattfand.

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Litauen, Europa und Shambala. Der ‚dritte Raum‘ der Jurga Ivanauskait 261

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Litauen, Europa und Shambala. Der ‚dritte Raum‘ der Jurga Ivanauskait Christina Parnell Auf der Frankfurter Buchmesse 2002, in deren Mittelpunkt die litauische Literatur stand, feierte sie Erfolge, die sich ihre männlichen Kollegen aus ihrer Attraktivität erklären wollten. Bekannt wurde sie mit der Übersetzung ihres Romans Ragana ir lietus (Regenhexe)1, der bei Erscheinen 1993 in Litauen für einen Skandal gesorgt hatte und auf den Index gesetzt worden war. In freizügigen Liebesszenen zwischen einer unangepassten jungen Litauerin und einem katholischen Priester hatte Ivanauskait in symbolträch- tigen Handlungsparallelen der Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus sowie einer Maria Viktorija und dem heiligen Povilas zu Zeiten der Inquisition mit der Geschlechterfrage zugleich die Herrschaftsstrukturen der westlichen Zivilisation zur Disposition gestellt. Ivanauskaits Ausstrahlung und das Wissen um ihre buddhistischen Ambitionen und fernöstlichen Meditationsaufenthalte machten das Interesse perfekt. Dass aus dieser mehrere Jahre umfassenden Phase Bücher hervorge- gangen sind, die litauische Literaturwissenschaftler künstlerisch mehr schät- zen als ihre als Journalismus empfundenen litauischen Erzählungen blieb unbeachtet. Dabei hatte sie 1997 Kelion Šambal (Reise nach Shambala)2 veröffentlicht, gefolgt 1999 von einer Kulturstudie zu Tibet Prarasta Paža- dtoji žem (Das verlorene Gelobte Land)3, und Anfang des neuen Jahrtau- sends war Sapn nublokšti (Von Träumen verweht)4, ebenfalls in Tibet ange- siedelt, erschienen. Dem deutschen Leser ist der 2003 publizierte Roman Placebas (Placebo) zugänglich, in dem sie sachkundig und ironisch die litaui- sche Transformationsgesellschaft analysiert. Der Roman endet mit dem Tod...

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