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Die Alpen! Les Alpes!

Zur europäischen Wahrnehmungsgeschichte seit der Renaissance – Pour une histoire de la perception européenne depuis la Renaissance

Edited By Jon Mathieu and Simona Boscani Leoni

Die Beschreibung der alpinen Natur und Bevölkerung ist im Allgemeinen verbunden mit dem Selbstverständnis und sozialen Umfeld des Autors. Daraus folgt, dass der Alpendiskurs von Land zu Land stärker differiert als bisher angenommen. Dieser Forschungsbericht befasst sich mit der Wahrnehmung der Alpen in der europäischen Kulturgeschichte. Er schliesst auch die bisher vernachlässigten alpinen Stimmen in die Untersuchung ein. Wie ging die Bevölkerung im Berggebiet mit den Diskursen um, die von den Städten an sie herangetragen wurden? Legte sie sich Identitäten zu, die das Alpine zurückstellten oder gerade betonten?
La description de la nature et de la population alpines est en général liée aussi bien à l’image que les auteurs se font d’eux-mêmes qu’à leur milieu social. Cela explique que le discours alpin diffère davantage selon les pays que ce qui a été considéré jusqu’ici. Ce recueil de contributions se penche sur la perception des Alpes dans l’histoire de la culture européenne. Il intègre dans la recherche les voix alpines négligées jusqu’à présent. Comment a réagi la population de ces régions aux discours sur la montagne et les montagnards tenus par les gens de la plaine ? Se construisait-elle une identité soulignant ou dénigrant plutôt le côté alpin ?

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1. Alpenwahrnehmung: Probleme der historischen Periodisierung JON MATHIEU 53

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1. Alpenwahrnehmung: Probleme der historischen Periodisierung JON MATHIEU Beim Thema Alpenwahrnehmung treffen wir in historischen Ausstellun- gen und Publikationen für ein grosses Publikum oft auf folgende Dar- stellung: in einer ersten Phase der europäischen Kulturgeschichte galten die Berge und besonders auch die Alpen als furchterregend, abstossend und hässlich, als «montes horribiles»; in einer zweiten Phase kehrte sich dieses Bild ins Positive, die Alpen wurden zu einem attraktiven, sublimen, romantischen Ort. Manchmal wird diese zweiteilige Erzählung mit gutem Ausgang noch um eine dritte, weniger glückliche Phase verlängert: in den letzten Jahrzehnten befinde man sich nicht mehr in der Zeit der unangefochten positiven Alpenwahrnehmung; vielmehr gebe es eine Viel- zahl unterschiedlicher Auffassungen; statt Klarheit herrsche heute Kon- fusion. Wenn wir uns dann in die wissenschaftliche Literatur zum The- ma vertiefen (sie hat in mehreren Fächern Tradition und ist daher weit verzweigt), stossen wir aber auf erstaunliche Divergenzen bei der Periodi- sierung: A. Autoren aus der Literaturwissenschaft, der Philosophie und verwand- ten Disziplinen halten sich gern an das eben erwähnte zweiteilige Sche- ma mit einem grundlegenden Wandel von Wahrnehmung und Ge- schmack im 18. Jahrhundert. B. Autoren aus dem Umfeld des Alpinismus und der Geographie bevor- zugen dagegen häufig eine wellenförmige Periodisierung: die erste «Ent- deckung» der Alpen sei auf die Renaissance und vor allem auf das 16. Jahrhundert anzusetzen; im barocken 17. Jahrhundert habe das Alpeninteresse nachgelassen oder gar einer feindlichen Haltung Platz gemacht, um erst mit der Aufklärung im 18....

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