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Die Alpen! Les Alpes!

Zur europäischen Wahrnehmungsgeschichte seit der Renaissance – Pour une histoire de la perception européenne depuis la Renaissance

Edited By Jon Mathieu and Simona Boscani Leoni

Die Beschreibung der alpinen Natur und Bevölkerung ist im Allgemeinen verbunden mit dem Selbstverständnis und sozialen Umfeld des Autors. Daraus folgt, dass der Alpendiskurs von Land zu Land stärker differiert als bisher angenommen. Dieser Forschungsbericht befasst sich mit der Wahrnehmung der Alpen in der europäischen Kulturgeschichte. Er schliesst auch die bisher vernachlässigten alpinen Stimmen in die Untersuchung ein. Wie ging die Bevölkerung im Berggebiet mit den Diskursen um, die von den Städten an sie herangetragen wurden? Legte sie sich Identitäten zu, die das Alpine zurückstellten oder gerade betonten?
La description de la nature et de la population alpines est en général liée aussi bien à l’image que les auteurs se font d’eux-mêmes qu’à leur milieu social. Cela explique que le discours alpin diffère davantage selon les pays que ce qui a été considéré jusqu’ici. Ce recueil de contributions se penche sur la perception des Alpes dans l’histoire de la culture européenne. Il intègre dans la recherche les voix alpines négligées jusqu’à présent. Comment a réagi la population de ces régions aux discours sur la montagne et les montagnards tenus par les gens de la plaine ? Se construisait-elle une identité soulignant ou dénigrant plutôt le côté alpin ?

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Im industriellen Zeitalter – À l’époque industrielle

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14.Wer ist die Braut des Montblanc? Einige Gedanken über Definitionsmacht, Identität und das Schreiben von Tourenberichten am Beispiel von Henriette d’Angevilles Bericht über ihre Montblanc-Expedition von 1838 TANJA WIRZ In meiner zur Zeit laufenden Dissertation zur Geschlechtergeschichte des Alpinismus untersuche ich, wie die alpine Landschaft von Bergsteigerin- nen und Bergsteigern genutzt wurde, um individuelle und auch kollektive Identitäten herzustellen, erlebbar zu machen und zu festigen.1 Hier soll eines der Fallbeispiele daraus vorgestellt werden, in dem das Schreiben über Bergexpeditionen von zentraler Bedeutung ist. Die Hauptrolle darin spielt eine französische Adelige, die 1838 eine Expedition auf den Montblanc organisierte: Henriette d’Angeville (1794–1871). Sie gilt als erste Frau, die den höchsten Gipfel Europas erstieg und erhielt deshalb den Übernamen «Die Braut des Montblanc». Bergsteigen und auf Berge steigen Die Besteigung des Montblanc war ein Thema, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf grosses öffentliches Interesse stiess. Erstmals war sie 1786 Jacques Balmat und Dr. Michel Paccard aus Chamonix geglückt. Darauf folgte 1787 die berühmte Expedition des Genfer Geologen Horace- 1 Meine Dissertation mit dem Arbeitstitel «Gipfelstürmerinnen. Eine Geschlechter- geschichte des Alpinismus in der Schweiz 1840–1940» ist ein Nationalfondsprojekt innerhalb des Nationalen Forschungsprogramms 48 «Landschaften und Lebensräume der Alpen» und wird betreut von Prof. Dr. Jakob Tanner, Universität Zürich. 268 TANJA WIRZ Bénédict de Saussure, die lange Zeit als «Erstbesteigung» galt.2 Eben- falls viel Aufsehen erregte 1820 die Expedition des russischen Gelehrten Dr. Hamel, die in...

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