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Erschaffung und Zerstörung der Schöpfung

Ein Beitrag zum Thema Mythos

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Edited By Michael Fieger and Jörg Lanckau

Mythen und Mythenbildung sind in den Wissenschaften der Postmoderne ein sehr aktuelles Thema. Der vorliegende Sammelband möchte als Beitrag zur kulturgeschichtlichen Arbeit am Thema des Mythos verstanden werden. Der interdisziplinär ausgerichtete Band vereint nach einer thematischen Einführung literaturwissenschaftliche, ägyptologische und bibelwissenschaftliche Perspektiven. Das Themenspektrum reicht von verschiedenen Repräsentationen des Mythischen bis hin zum Vergleich schriftlicher Überlieferungen aus dem antiken Griechenland, Mesopotamien, Ägypten und Israel, die von der Erschaffung der Welt und der Bedrohung in Katastrophen sprechen.

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Literatur als Manifestation des Mythischen 17

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Literatur als Manifestation des Mythischen MARCEL WEDER 1. Einleitung Die kulturellen Erscheinungsformen des Mythischen sind zahlreich, so dass eine Fokussierung auf dessen literarische Realisierungen willkürlich erscheint. Insbesondere in der Moderne sind mythische Gedanken- und Repräsentationsmuster in vielen kulturellen Feldern anzutreffen. Nicht zuletzt populäre Formen wie Sport, Kino, Fern- sehen, die Tagespresse, aber auch wirklichkeitsnähere Handlungsfel- der wie Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft werden gerne als Nach- fahren mythischer Denk- und Handlungsstrukturen gelesen.1 Eine soziologische Analyse, beispielsweise, wäre für das Verständnis mythischer Mechanismen und Funktionalismen in heutiger Zeit und aus heutiger Sicht vermutlich ergiebiger, als eine eingeschränkte Betrachtung mythischer Gesichtspunkte von Literatur. Zudem wird die Literarisierung des Mythischen, sprich der Schritt von mündli- chen zu schriftlichen Repräsentierungen, gerne als Verfallsgeschichte gelesen, durch welche seine ursprüngliche, mündliche Archaik und Aussergewöhnlichkeit gezügelt wurde.2 So betont insbesondere Schlaffer, dass die Einführung der Schrift einen Verlust des Wahr- 1 Exemplarisch für mögliche Untersuchungen mythischer Denkstrukturen in populären Handlungsfeldern mag – nach wie vor – R. Barthes, Mythologies, Paris 1957, stehen. 2 Vgl. Ch. Jamme, Einführung in die Philosophie des Mythos, Band II: Neuzeit und Gegenwart, Darmstadt 1991, 2: „Der Mythos war immer mündliche Er- zählung des Mythos und an die schriftlose Kultur gebunden; mit dem Über- gang zur schriftlichen Fixierung wurde sein Wesen verfälscht.“ Marcel Weder 18 heitscharakters des Mythos zur Folge hatte: „Das Spiel der literari- schen Fiktion ist ein Nachspiel der poetischen Wirklichkeit. Sobald...

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