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Frühe Neuzeit – Späte Neuzeit

Phänomene der Wiederkehr in Literaturen und Künsten ab 1970

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Edited By Alexander Kosenina and Steffen Martus

Die ‘Frühe Neuzeit’ ist eine Reflexionsepoche der Moderne. Besonders in den letzten Jahrzehnten variieren Zeitdiagnosen das Konzept der ‘Wiederkehr’ von historischen Phasen der Vormoderne, um die Gegenwart im Licht der Vergangenheit zu erkennen, um etablierte Selbstbilder zu hinterfragen und alternative Entwürfe zum ‘Projekt der Moderne’ zu ermöglichen.
Die vorliegenden Beiträge fragen danach, ob und inwiefern diese Rückgriffe über vage Anspielungen hinausgehen, auf welche Epochenmerkmale sie rekurrieren und welche kulturelle Funktion die historische ‘Wiederkehr’ im Intervall von ‘Früher’ und ‘Später Neuzeit’ übernimmt. Sie legen den Akzent auf die Analyse von Literatur und Kunst, beziehen aber vielfach philosophische, politische, soziale u. a. Kontexte ein.
Die Aufsätze gehen auf eine internationale und interdisziplinäre Tagung zurück, die 2010 im Aby-Warburg-Haus Hamburg stattfand und vom Nordverbund Germanistik veranstaltet wurde, einer Kooperation der Universitäten HU-Berlin, Bremen, Flensburg, Greifswald, Hamburg, Hannover, Rostock und Vechta.

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„… der roman macht ahn die ewigkeit gedencken, denn ernimbt kein endt“Zur ,Dauer‘ als ästhetischer Kategorie in Barock und Postmoderne,am Beispiel von Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttelund Forced Entertainment 155

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ANDRÉ SCHALLENBERG „… der roman macht ahn die ewigkeit gedencken, denn er nimbt kein endt“ Zur ,Dauer‘ als ästhetischer Kategorie in Barock und Postmoderne, am Beispiel von Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel und Forced Entertainment Gestern habe ich noch einen Teil von Octavia vom gutten hertzog von Braunsweig bekommen: der roman macht ahn die ewigkeit gedencken, denn er nimbt kein endt.1 Dies schrieb am 23. September 1706 Elisabeth Charlotte von Orleans, auch bekannt als Liselotte von der Pfalz, an ihre Tante Sophie von Han- nover (sie selbst lieferte zum Thema Ewigkeit ihren ganz eigenen Bei- trag, als Verfasserin mehrerer zehntausend Briefe, entstanden in der ver- blüffenden Frequenz von über 1.000 Briefen pro Jahr). Der Roman, den sie anspricht, ist ein staunenswertes Werk, allein durch seine schiere Unmäßigkeit. Er gilt mit über 7.200 Seiten als einer der ausladendsten Romane der Literaturgeschichte: die Octavia Römischer Geschichte des Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel, ent- standen 1677–1714. Mit seinem Umfang stellt er einen gewaltigen Gip- felpunkt des höfischen Historienromans dar, wenngleich andere Autoren im selben Feld Ähnliches vollbrachten: Beispiele sind Lohensteins Groß- müthiger Feldherr Arminius, der in der ersten Ausgabe von 1689/90 fast 3.100 Seiten enthielt, in geringerem Maße auch Heinrich Anselm von Ziglers Asiatische Banise von 1689 mit etwa 900 oder John Barclays Arge- nis von 1629 mit knapp 700 Seiten. Auch im 17. Jahrhundert galten Veröffentlichungen mit mehr als tau- send Seiten durchaus als ungewöhnlich lang, wie die Einlassung Liselotte von der...

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