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Frühe Neuzeit – Späte Neuzeit

Phänomene der Wiederkehr in Literaturen und Künsten ab 1970

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Edited By Alexander Kosenina and Steffen Martus

Die ‘Frühe Neuzeit’ ist eine Reflexionsepoche der Moderne. Besonders in den letzten Jahrzehnten variieren Zeitdiagnosen das Konzept der ‘Wiederkehr’ von historischen Phasen der Vormoderne, um die Gegenwart im Licht der Vergangenheit zu erkennen, um etablierte Selbstbilder zu hinterfragen und alternative Entwürfe zum ‘Projekt der Moderne’ zu ermöglichen.
Die vorliegenden Beiträge fragen danach, ob und inwiefern diese Rückgriffe über vage Anspielungen hinausgehen, auf welche Epochenmerkmale sie rekurrieren und welche kulturelle Funktion die historische ‘Wiederkehr’ im Intervall von ‘Früher’ und ‘Später Neuzeit’ übernimmt. Sie legen den Akzent auf die Analyse von Literatur und Kunst, beziehen aber vielfach philosophische, politische, soziale u. a. Kontexte ein.
Die Aufsätze gehen auf eine internationale und interdisziplinäre Tagung zurück, die 2010 im Aby-Warburg-Haus Hamburg stattfand und vom Nordverbund Germanistik veranstaltet wurde, einer Kooperation der Universitäten HU-Berlin, Bremen, Flensburg, Greifswald, Hamburg, Hannover, Rostock und Vechta.

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Die FalteBarocke Figuration bei Gilles Deleuze und Walter Benjamin 209

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NIKLAUS LARGIER Die Falte Barocke Figuration bei Gilles Deleuze und Walter Benjamin Wer die Rezeption des Barock und barocker Denkbilder in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten betrachtet, begegnet vor allem zwei Namen und Texten, die als theoretische Vermittler fungieren. Einerseits Walter Benjamin und seinem Ursprung des deutschen Trauerspiels, andererseits Gilles Deleuze, der mit Die Falte. Leibniz und der Barock einen neuen Zugang zum Barock geschaffen hat. Dabei weist Deleuze nicht bloß einen neuen Weg, der barocke Formen etwa mit dem Film, den neuen Medien und dem Cyberspace verbindet. Er stellt mit seinen Überlegungen auch einen Rahmen bereit, der die Rezeption Benjamins vielfach mit bestimmt und seiner medien-, bild-, und geschichtstheoretischen Analyse barocker Fi- guration neue Prägnanz verleiht. „Der Barock“ – schreibt Deleuze in seinem 1988 publizierten Buch Le pli. Leibniz et le baroque – „verweist nicht auf ein Wesen, sondern viel- mehr auf eine operative Funktion, auf ein Charakteristikum“. Deleuze legt damit den Akzent seiner Barock-Untersuchung darauf, „unauf- hörlich Falten“ zu bilden: Im Materiellen wie im Seelischen sollen sich „Falte nach Falte“ ins „Unendliche“ ausdehnen.1 Ähnliches hat bereits Benjamin festgestellt, als er in einer methodologischen Vorbemerkung zu seinem Barockbuch – Ursprung des deutschen Trauerspiels um 1920 („ent- worfen 1916, verfasst 1925“) – festhielt: Die notwendige Richtung aufs Extreme […] hat für eine Darstellung vom Ursprung des deutschen Barocktrauerspiels zweierlei zu besagen. Erstens weist sie die Forschung an, unbefangen die Breite des Stoffes ins Auge zu fassen. […] Zum zweiten schließt das Studium der Extreme Rücksicht auf die barocke Theorie des...

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