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Grimmelshausen als Kalenderschriftsteller und die zeitgenössische Kalenderliteratur

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Edited By Peter Heßelmann

Die Beiträge zu diesem Band gehen auf die von der Grimmelshausen-Gesellschaft im März 2009 in Oberkirch veranstaltete Tagung «Grimmelshausen als Kalenderschriftsteller und die zeitgenössische Kalenderliteratur» zurück. Anlass für die intensive Beschäftigung mit der simplicianischen Kalenderproduktion war die Entdeckung bisher nicht bekannter Kalender. Auf dieser Basis konnten neue Perspektiven und Arbeitsfelder für die Grimmelshausen- und die Kalenderforschung eröffnet werden.
Die interdisziplinären Tagungsbeiträge widmen sich u. a. den mediengeschichtlichen Rahmenbedingungen der Kalenderherstellung, -distribution und -rezeption, der Beteiligung Grimmelshausens an den simplicianischen Jahreskalendern, Fragen der Authentizität und Autorisation in der Kalenderproduktion, der Literarizität der Textsorte Kalender, den Textformen des Kalendergesprächs und der Kalendererzählung, der Integration von literarischen, historischen und naturwissenschaftlichen Quellen, den Modi der Wissensvermittlung, dem Genre der Ewigwährenden Kalender sowie den Manifestationen satirischer Kalender- und Astrologiekritik. Der Sammelband präsentiert zahlreiche neue Ergebnisse in der Erforschung der Kalender der Frühen Neuzeit.

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BEITRÄGE DER TAGUNG „GRIMMELSHAUSEN ALSKALENDERSCHRIFTSTELLER UND DIE ZEITGENÖSSISCHEKALENDERLITERATUR“

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BEITRÄGE DER TAGUNG „GRIMMELSHAUSEN ALS KALENDERSCHRIFTSTELLER UND DIE ZEITGENÖSSISCHE KALENDERLITERATUR“ HOLGER BÖNING (Bremen) Der Kalender im Mediensystem des 17. Jahrhunderts I Im Jahre 1609 bezeichnet der Markgräflich-Badische Leibarzt Philipp Feselius in seinem Gründtlichen Discurs Von der Astrologia Judiciaria alle Wahrsagungskunst als „ein Ehrgeitziges übel“. Radikal stellt er das astrologische Weltbild in Frage, wie es Jahr für Jahr in der reichhaltigen Kalenderliteratur seinen Ausdruck fand und bei den Gelehrten ebenso vorherrschend war wie beim einfachen Volk. In der Widmungszuschrift an den Markgrafen Georg Friedrich führt Feselius aus, das von ihm be- nannte Übel erweise sich sonderlich an denjenigen Astrologen, […] welche sich auß dem lauff vnd stand der Planeten/ vnd andern gestirns vermessentlich vnderstehn allerhand zukünfftige ding/ nicht allein von witterung/ theürung/ krieg: sonder auch von glück vnd vnglück/ auff vnnd abnehmmen/ gantzer Königreich/ Länder vnd Stätt [...] von langer hand hero zuverkündigen.1 Es wird nicht schwerfallen, dem Autor beizustimmen, doch ist es nicht ohne Reiz, auf die Begründung für diese, heute eingängig erscheinende Haltung zu schauen. Feselius argumentiert nicht damit, dass Kriege Menschenwerk seien, gänzlich unabhängig vom Gang der Planeten. Auch verweist er nicht auf eigene, mit ganz anderen Mitteln zu ergrün- dende Gesetzmäßigkeiten des politischen Geschäfts. Er gibt vor zu wissen, die himmlischen Leuchten seien von Gott allein als Zeichen der Zeitbestimmung gesetzt, die Lehre des Kopernikus widerspreche eben- so der Vernunft wie der Heiligen Schrift. Die Schrift...

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