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Aspekte einer Sprache der Liebe

Formen des Dialogischen im Minnesang

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Edited By Marina Münkler

Dieses Buch widmet sich einer bisher in der Minnesangforschung nur wenig behandelten Gattung: dem dialogischen Lied. Während die Minnekanzone die Stimme des Sängers als Minnendem privilegiert und die besungene Dame darin zum Schweigen verdammt, präsentiert das dialogische Lied den kommunikativen Austausch zwischen dem Minnenden und seiner Dame. Zudem ermöglicht es andere kommunikative Grundsituationen.
Die Beiträge des Bandes zeigen die thematische und kommunikative Vielfalt dieser Situationen auf. Diese kommunikative Vielfalt ist nicht von der Dialogizität der eingesetzten Semantiken und von Intertextualitätsaspekten im Hinblick auf andere Gattungen, wie etwa dem höfischen Roman, sowie von den Aspekten mündlicher und schriftlicher Performanz zu trennen. Der Band leistet deshalb auch einen Beitrag zur Intertextualitäts- und Performativitätsdiskussion, die in der Mediävistik einen gewichtigen Raum einnehmen.

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III. Dialogizität

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ANJA BECKER Lyrische und epische Stichomythien: Eilhart von Oberg – Heinrich von Veldeke – Albrecht von Johansdorf Denkt man an die Kunstform der Stichomythie, dann denkt man an die Zeit der Antike und die Gattung des Dramas. Doch auch die deutsch- sprachige Literatur des hohen Mittelalters kennt – obwohl es hier keine Dramen gibt – die Technik, Rede gegen Rede, Vers gegen Vers zu set- zen. Während sich in letzter Zeit vermehrt Studien den epischen Dialo- gen gewidmet haben,1 bleibt die Beschäftigung mit der Sonderform der Stichomythie ein Forschungsdesiderat.2 Dabei bietet gerade dieses Stil- mittel die Möglichkeit, die Untersuchung transgenerisch auszurichten, denn Stichomythien gibt es im Mittelalter nicht nur in Versepen, sondern auch in der Lyrik. Um 1200 verfasst Albrecht von Johansdorf mit Ich vant si âne huote (MF 93,12) die erste lyrische Stichomythie in der deutschen Literatur und vielleicht auch das erste Dialoglied überhaupt.3 Anders als in den anderen Dialogliedern – z. B. Walthers von der Vogelweide – verteilt er die Redebeiträge nicht auf die einzelnen Strophen, sondern auf 1 Vgl. etwa Nikolaus Henkel, Martin H. Jones, Nigel F. Palmer (Hrsg.): Dialoge. Sprachli- che Kommunikation in und zwischen Texten im deutschen Mittelalter, Tübingen 2003; Nine Miedema, Franz Hundsnurscher (Hrsg.): Formen und Funktionen von Redesze- nen in der mittelhochdeutschen Großepik, Tübingen 2007; Anja Becker: Poetik der weh- selrede. Dialogszenen in der mittelhochdeutschen Epik um 1200, Frankfurt a. M. u. a. 2009. 2 Ausnahmen bilden folgende Beiträge: Nine Miedema: Stichomythische Dialoge in der mittelhochdeutschen höfischen Epik....

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