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Beurteilung der Sprechkompetenz in einer Fremdsprache

Theorie und Praxis der Einführung neuer Verfahren in einem schweizerischen Schulsystem (Fallstudie)

Sandra Hutterli

Mündlich ist nicht einfach mündlich, zeigt die Wissenschaft. Diese Erkenntnis fliesst nicht automatisch in den Schulalltag ein – obwohl Lehrpersonen nicht per se gegen Veränderungen im Schulalltag sind. Im vorliegenden Buch werden sowohl der sprachwissenschaftliche Diskurs (Analyseobjekt 1), als auch die Umsetzungsschwierigkeiten von Veränderungen (Analyseobjekt 2) erörtert.
Für beide Aspekte wird eine theoretische Ausgangslage beschrieben: Was ist das aktuelle Verständnis von Sprechkompetenz und deren Beurteilung in den Fremdsprachen? Worin grFremdsprachen? Worin gründen Umsetzungsschwierigkeiten von Veränderungen in der Schule als Organisation? Anhand einer während zweieinhalb Jahren durchgeführten Fallstudie mit den Sprachlehrpersonen der Sekundarstufe I und II eines ganzen Kantons, die detailliert beschrieben und dokumentiert ist, werden Gründe für die Differenz zwischen dem Stand der Wissenschaft und dem gelebten Schulalltag aufgezeigt.

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1 Einleitung 1

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.1 Ausgangslage und Problemstellung Der Erziehungsrat eines Schweizer Kantons beschliesst, dass beim Über- tritt von der Sekundarschulstufe I in das Gymnasium neu auch die Beur- teilung der Sprechkompetenz im Französisch als Fremdsprache als Selektionskriterium nebst den bisherigen Bereichen (Lese- und Hör- verstehen, Schreiben, Wortschatz und Grammatik) berücksichtigt wer- den soll. Die Lehrpersonen beider Schulstufen wehren sich gegen eine Umsetzung dieses Beschlusses. Würde diese Information in der Tages- presse veröffentlicht, wären die Lager der Leserbriefschreibenden ge- spalten: Die einen würden urteilen, dass die Lehrpersonen veränderungs- resistent seien, die andern würden titeln, dass die Bildungspolitik technokratische, nicht umsetzbare Strategien beschliesse und den Lehr- personen immer mehr abverlange. Gemeinsames Fazit beider Parteien wäre wohl der Aufruf: zurück zum Kerngeschäft. Obige Urteile greifen zu oberflächlich und sind entsprechend pauschali- sierend. Sie widerspiegeln jedoch treffend das aktuelle Spannungsfeld der Schule. Wissenschaftliche Erkenntnisse finden nicht automatisch Eingang in die Schulpraxis. Im konkreten Fall hat sich in der Sprachen- theorie das Modell der fünf Sprachfertigkeiten (Lese- und Hörverstehen, mündliche Produktion und Interaktion sowie Schreiben) durchgesetzt. Entsprechend richten sich die Beurteilungsmethoden auf diese fünf Fer- tigkeitsbereiche aus. Trotzdem führt dies im geschilderten Fall zu Wi- derstand bei der Umsetzung. Der Erziehungsratsbeschluss allein genügt nicht als Anreiz für eine Veränderung der Praxis. Im Gegenteil bewirkt er aktiven Widerstand bei den Lehrpersonen. Eine Kompetenz- und Or- ganisationsentwicklung wird im ersten Moment verhindert. Die Energien der betroffenen Lehrpersonen fliessen in...

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