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Naturwahrnehmung im Mittelalter im Spiegel der lateinischen Historiographie des 12. und 13. Jahrhunderts

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Milène Wegmann

Naturerkenntnis, Menschenbild und Weltbild stehen in enger Beziehung zueinander, denn der Mensch nimmt die Natur als Beobachter wahr und die gewonnenen Eindrücke weisen somit auf sein Selbstverständnis. Diese Studie befasst sich mit der Naturwahrnehmung im Mittelalter, wobei sie Forschungsergebnisse aus den Bereichen Geschichte, Philosophie, Literatur und Wissenschaftsgeschichte einbezieht. Als Basis dienen historiographische Quellen des 8. bis 16. Jahrhunderts aus Klöstern des alten deutschen Reiches, die in den ‘Monumenta Germaniae historica: Scriptores’ herausgegeben wurden. Welche Motivation hatten die Mönche für ihre Hinwendung zur Natur? Weshalb zeichneten sie Naturereignisse und -beobachtungen auf? Wie wurden die antiken Theorien über Natur in der monastischen Historiographie rezipiert? Welcher qualitative Wandel der Naturwahrnehmung fand vor allem im 12. und 13. Jahrhundert statt? Welches Verhältnis besteht zwischen Naturwahrnehmung/Naturerkenntnis und Naturbegriff? Die verschiedenen Möglichkeiten der Perzeption der Natur und ihrer Phänomene werden dabei anhand der mediävistisch-philologischen Methode aufgezeigt und mit einem interdisziplinären Ansatz diskutiert.

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3. Der Aristotelische Naturbegriff 41

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41 3. Der Aristotelische Naturbegriff Fundamentale Bedeutung gewann der Begriff der Physis erstmals in der Philosophie des Aristoteles; Die Bedeutungen von Physis /„ Natur“ unter- sucht dieser in der ‚Metaphysik‘ 4.4 und in der ‚Physik‘ 2.1. Physis de- finiert er als Entstehen und Ursprung (gr. génesis) der werdenden und wachsenden Dinge und hebt sie von der Kunst ab. Die Naturdinge (Le- bewesen und ihre Teile, Pflanzen und einfache Körper, d. h. die vier Ele- mente) haben „ das Prinzip ihrer Bewegung und Ruhe in sich selbst“,106 alles übrige Seiende hat kein solches Prinzip in sich. Daraus ergibt sich nach Aristoteles die erstrangige und grundlegende Bedeutung von Physis als dem Wesen von Seienden, die ein Prinzip der Bewegung in sich selbst als solche haben. Das Wachsen der Lebewesen beispielsweise ist eine für diese spezifische Bewegung.107 Ingrid CRAEMER-RUEGENBERG hebt die Übersetzung von kínesis mit „ Prozess“ und „ Prozessualität“ hervor: „ Das Naturseiende ist wesentlich prozesshaft. ,Prozess‘ (kínesis) ist ,Bewegung‘ im weitesten Sinne, Veränderung, Wechsel an etwas.“108 Wie in einer früheren Arbeit109 ausgeführt, hat die Auseinanderset- zung mit Platos Timaios im 12. Jahrhundert das Interesse für die materiel- le Welt vermehrt; Das Prinzip der Rationalität in Abhebung von jenem 106 ARISTOTELES. Physik 2.1. 192b13–15. tà mèn gàr physei ónta pánta phaínetai échonta en heautois archèn kinéseos kaì stáseos [. . .] 107 CRAEMER-RUEGENBERG, Ingrid. Die Naturphilosophie des Aristoteles. Frei- burg i. Br. 1980. S. 35. 108 CRAEMER-RUEGENBERG, Ingrid....

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