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Naturwahrnehmung im Mittelalter im Spiegel der lateinischen Historiographie des 12. und 13. Jahrhunderts

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Milène Wegmann

Naturerkenntnis, Menschenbild und Weltbild stehen in enger Beziehung zueinander, denn der Mensch nimmt die Natur als Beobachter wahr und die gewonnenen Eindrücke weisen somit auf sein Selbstverständnis. Diese Studie befasst sich mit der Naturwahrnehmung im Mittelalter, wobei sie Forschungsergebnisse aus den Bereichen Geschichte, Philosophie, Literatur und Wissenschaftsgeschichte einbezieht. Als Basis dienen historiographische Quellen des 8. bis 16. Jahrhunderts aus Klöstern des alten deutschen Reiches, die in den ‘Monumenta Germaniae historica: Scriptores’ herausgegeben wurden. Welche Motivation hatten die Mönche für ihre Hinwendung zur Natur? Weshalb zeichneten sie Naturereignisse und -beobachtungen auf? Wie wurden die antiken Theorien über Natur in der monastischen Historiographie rezipiert? Welcher qualitative Wandel der Naturwahrnehmung fand vor allem im 12. und 13. Jahrhundert statt? Welches Verhältnis besteht zwischen Naturwahrnehmung/Naturerkenntnis und Naturbegriff? Die verschiedenen Möglichkeiten der Perzeption der Natur und ihrer Phänomene werden dabei anhand der mediävistisch-philologischen Methode aufgezeigt und mit einem interdisziplinären Ansatz diskutiert.

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8. Naturbegriff und Naturerkenntnis 147

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147 8. Naturbegriff und Naturerkenntnis In den hier untersuchten 400 Texten aus allen Jahrhunderten des Mit- telalters hat sich der Terminus natura im Zusammenhang mit der Beob- achtung und Erklärung von Naturphänomenen verhältnismässig selten niedergeschlagen;459 Philosophische Erörterungen über den im Mittel- alter in den unterschiedlichsten Bedeutungen verwendeten Begriff fin- den in dieser Quellengattung keinen Platz. In den Annalen des 9. und 10. Jahrhunderts begegnet das Substantiv natura im Kontext mit Beschrei- bungen von Naturereignissen überhaupt nicht. Nur das Adjektiv naturalis und das Adverb naturaliter sind in wenigen Fällen belegt. 459 Der Terminus natura ist in den Glossarien der Bände 1–32 der MG SS nur in einem Band überhaupt aufgeführt: Das Glossar von MG SS 30 verweist auf naturae ydolorum aut deorum (MG SS 30.1. S. 105, 25) und auf naturalis philo- sophi (MG SS 30.1. S. 86, 5 und S. 260, 25). Die Analyse der ersten Register- eintragung erübrigt sich in unserem Zusammenhang, geht es doch im Satz, Quia vero in superioribus libris declaravi iuxta posse de naturis, formis et festivitatibus deorum et ydolorum, [. . .], nicht um die belebte Natur bzw. Naturphänomene (Iacobi de Guisia Annales Historiae illustrium principum Hanoniae Lib. 5. c. 19. De conceptione beate Marie virginis. Ende 14. Jahrhundert). Die beiden Belege des Terminus „ Naturphilosophie“ sind derselben Quelle entnommen. Im Prolog sagt der Autor von sich selbst: Equidem ipse Iacobus cernens, quod a XX VI annis tempus a Deo sibi impensum in studio logicalium et philosophie...

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