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Gartenkunst und Wissenschaft

Diskurs, Repräsentation, Transformation seit dem Beginn der Frühmoderne

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Edited By Julia Burbulla and Ana-Stanca Tabarasi-Hoffmann

Geniale Entdeckungen wie auch gewöhnliche Praxen aus den Formal-, Ingenieur- und Naturwissenschaften prägen die Gartenkunst der Neuzeit. Seit jeher reagierte die Gartenkunst auf wissenschaftliche Revolutionen und gab wissenschaftlichen Ergebnissen, Methoden und Stilen einen ästhetischen Ausdruck. Umgekehrt nutzten Macht und Wissenschaft den Garten als Gestaltungsraum, um ihre Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, und das Gartenmotiv, um ihre Utopien zu veranschaulichen.
Die Beiträge des interdisziplinären Bandes greifen diese vielfältige und spannungsvolle Kooperation erstmalig sowohl im europäischen wie außereuropäischen Kontext auf. Sie machen deutlich, dass eine Gartenforschung, die über die geistig-literarische Kultur hinausgeht, besser imstande ist, die Perioden der Gartengeschichte zu erfassen und die gartenkünstlerischen Werke historisch angemessen zu bewerten.

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SUSANNE GRAMATZKI Die ästhetisierte Natur. Gartenkunst und Naturwissenschaft bei Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville 163

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Die ästhetisierte Natur Gartenkunst und Naturwissenschaft bei Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville SUSANNE GRAMATZKI Wenn es tatsächlich eine ‚Bibel der Gartenkunst‘ geben sollte, so heißt ihr Verfasser Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville (1680–1765).1 Seine Ab- handlung La Théorie et la Pratique du Jardinage wurde erstmals 1709 – noch ohne Angabe des Autors – publiziert, erfuhr in den folgenden Jahren mehrfache Erweiterungen, Neuauflagen und Übersetzungen und wurde letzt- malig 1760 in Frankreich ediert. Die hier nur anskizzierte Publikations- geschichte indiziert bereits die Verbreitung und Wirkmächtigkeit von Dezal- liers Gartentraktat, der trotz der englischen ‚Gartenrevolution‘ das gesamte 18. Jahrhundert hindurch in Frankreich und Europa maßstabsetzend blieb. Als „Secrétaire du Roi“, „Maître des Comptes“ und „Conseiller du Roi“ war Dezallier d’Argenville Teil des royalen Verwaltungs- und Reprä- sentationssystems, doch war er darüber hinaus ein später Vertreter des ri- nascimentalen uomo universale, dessen wissenschaftliches Profil zwischen einem im ursprünglichen Sinne zu verstehenden Dilettantismus und einem institutionell anerkannten2 Fachwissen oszilliert. Wenn Dezallier rück- blickend schreibt, „Le jardinage, l’hydraulique ont été de tous les tems mes plus chers amusemens, sans oublier la peinture et la musique“3, so ist da- mit sein Interessensspektrum allenfalls angedeutet, keineswegs erschöpfend beschrieben. Die dilettierende Beschäftigung mit einem Gegenstand mün- det bei Dezallier in die methodische Reflexion und die systematische, häu- 1 Vgl. Wilfried Hansmann: Gartenkunst der Renaissance und des Barock. Köln 1983, S. 159; Jacqueline Labbé, Lise Bicart-Sée: La collection de dessins d’Antoine-Joseph Dezallier d’Argenville reconstitu...

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