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Die Gründungsgeschichte des PEN-Clubs in der Schweiz

Geleitwort von Dominik Riedo- Nachwort von Kristin T. Schnider

Helen Münch

Diese Studie befasst sich mit der Entstehung von PEN-Zentren in der Schweiz und zeigt die Haltung ihrer Präsidenten als Schweizer Delegierte an den jährlich stattfindenden Kongressen des Internationalen PEN-Clubs, der sich in den Dreissiger- und Vierzigerjahren vor allem mit deutschen Themen beschäftigen musste, da die hohen Ideale der PEN-Charta vom Nationalsozialismus mit Füssen getreten wurden. Dabei kam es zu unschönen Sympathiekundgebungen der Schweizer mit dem deutschen PEN-Club, der sich ganz dem neuen Regime verschrieben hatte und die Hauptprinzipien des PEN verletzte: dass er sich von Politik fernhält, dass er an den freien Austausch von Literatur glaubt, dass die einzige Voraussetzung für die Mitgliedschaft Auszeichnung im Literarischen ist, ungeachtet von Nationalität, Rasse oder Glaubensbekenntnis. Er hatte anders denkende Schriftsteller aus seinen Reihen ausgeschlossen und sich weder von deren Verfolgung durch den Staat noch von den Bücherverbrennungen distanziert. Als die deutsche PEN-Gruppe den Internationalen PEN-Club verlassen musste, war dies für die Schweizer eine unberechtigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates und ein Verstoss gegen den Leitspruch des PEN, sich politisch nicht zu betätigen. Nach dem Krieg hatten die Schweizer nichts mehr gegen das Politisieren und verlangten den Ausschluss der PEN-Zentren der Ostblockstaaten – insbesondere der von der Sowjetunion beherrschten Ostzone Deutschlands – aus dem Internationalen PEN, da sie als Satelliten der UdSSR dem kommunistischen System angehörten, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit unterdrückt wurde, was den Prinzipien des PEN-Clubs widersprach.

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Einleitung 13

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13 Einleitung Der PEN-Club ist eine internationale Schriftstellervereinigung und wurde von der englischen Schriftstellerin Catharine Amy Dawson Scott (1865– 1934) in London gegründet. Sie lud am 5. Oktober 1921 zu einem Dinner ein, zu dem sich einundvierzig Schriftsteller einfanden, darunter George Bernard Shaw und John Galsworthy. Es entstand die Idee, einen Club zu gründen, der sich für Frieden und Völkerverständigung einsetzt, und dieser bildete, wenn man so will, das kulturelle Pendant zum Völker- bund, der Staatenvereinigung zur Sicherung des Weltfriedens und der kul- turellen Zusammenarbeit unter den Nationen, der 1920 auf politischer Ebene entstanden war. Das bittere Erlebnis des Ersten Weltkriegs mit zehn Millionen Toten und zwanzig Millionen Verwundeten und Invaliden rief viele Pazifisten hervor, und der PEN-Club war ein Teil dieses Engagements gegen den Krieg. Durch den PEN-Club sollten Schriftsteller möglichst vieler Länder zusammen kommen, um im persönlichen Gespräch und im geselligen Zu- sammensein Bekanntschaften und Freundschaften auf nationaler und in- ternationaler Ebene zu pflegen, um dadurch eine völkerverbindende Rolle in Europa und in der ganzen Welt zu spielen. Die Abkürzung PEN steht für die englischen Begriffe poets (Dich- ter), playwrights (Dramatiker), essayists (Essayisten) und novelists (Roman- ciers). Ausserdem steht das englische Wort pen für die Schreibfeder, das Hauptutensil des Schriftstellers. Der erste Präsident des PEN-Clubs war John Galsworthy (1867– 1933), bekannt durch seine Romanreihe The Forsyte Saga, und Literatur- nobelpreisträger von 1932. Seine idealistische Haltung beschreibt treffend sein Schriftstellerkollege Hermann Kesten: Offenbar...

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