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Die Gründungsgeschichte des PEN-Clubs in der Schweiz

Geleitwort von Dominik Riedo- Nachwort von Kristin T. Schnider

Helen Münch

Diese Studie befasst sich mit der Entstehung von PEN-Zentren in der Schweiz und zeigt die Haltung ihrer Präsidenten als Schweizer Delegierte an den jährlich stattfindenden Kongressen des Internationalen PEN-Clubs, der sich in den Dreissiger- und Vierzigerjahren vor allem mit deutschen Themen beschäftigen musste, da die hohen Ideale der PEN-Charta vom Nationalsozialismus mit Füssen getreten wurden. Dabei kam es zu unschönen Sympathiekundgebungen der Schweizer mit dem deutschen PEN-Club, der sich ganz dem neuen Regime verschrieben hatte und die Hauptprinzipien des PEN verletzte: dass er sich von Politik fernhält, dass er an den freien Austausch von Literatur glaubt, dass die einzige Voraussetzung für die Mitgliedschaft Auszeichnung im Literarischen ist, ungeachtet von Nationalität, Rasse oder Glaubensbekenntnis. Er hatte anders denkende Schriftsteller aus seinen Reihen ausgeschlossen und sich weder von deren Verfolgung durch den Staat noch von den Bücherverbrennungen distanziert. Als die deutsche PEN-Gruppe den Internationalen PEN-Club verlassen musste, war dies für die Schweizer eine unberechtigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates und ein Verstoss gegen den Leitspruch des PEN, sich politisch nicht zu betätigen. Nach dem Krieg hatten die Schweizer nichts mehr gegen das Politisieren und verlangten den Ausschluss der PEN-Zentren der Ostblockstaaten – insbesondere der von der Sowjetunion beherrschten Ostzone Deutschlands – aus dem Internationalen PEN, da sie als Satelliten der UdSSR dem kommunistischen System angehörten, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit unterdrückt wurde, was den Prinzipien des PEN-Clubs widersprach.

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Die Präsidentschaft von Werner Weber 1952–1979 149

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149 Die Präsidentschaft von Werner Weber 1952–1979 Werner Weber war seit 1946 Feuille- tonredaktor der Neuen Zürcher Zei- tung, und von 1951–1973 als Nach- folger von Eduard Korrodi Leiter des Ressorts Literatur, Kunst, Wissenschaft. Danach wurde er als Ordinarius ad personam für Literaturkritik an die Universität Zürich berufen und erfüll- te dieses Amt bis 1987, als er wegen Er- reichens der Altersgrenze zurücktrat. In seinem Nachlass deuten nur ein paar wenige Briefe auf seine 27-jähri- ge Präsidentschaft im Zürcher PEN- Club hin. Im Rückblick waren ihm die Akten wohl nicht aufbewahrungswür- dig erschienen; tatsächlich wurde das Zürcher PEN-Zentrum in Webers Amts- zeit für eine gewisse Zeit in den Dormancy-Status versetzt, weil der Kontakt zum Generalsekretariat „eingeschlafen“ war, was bedeutete, dass dem Zen- trum während dieser Phase keine Stimmberechtigung in der Vollversamm- lung zustand. Über diesen Status entschied das Exekutivkomitee, der Fall wurde aber jedes Jahr erneut dikutiert. Die Präsidentschaft Werner Webers, die am 31. Januar 1952 begann, stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Mitgliederschwund, man- gelndes Interesse an den Veranstaltungen, Schweigen und Echolosigkeit der Zürcher PEN-Gemeinschaft mögen die Ursachen gewesen sein, war- um Werner Weber bereits nach zwei Jahren aufgeben wollte. Vielleicht fehlte auch die warmherzige und anspornende Unterstützung aus Lon- Abb. 14: Werner Weber (1919–2005). 150 don, die Hermon Ould Webers Vorgängern reichlich zukommen liess. Denn bereits im Februar 1954 – der Vorstand war...

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