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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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3. Erwünschte Flüchtlinge: Ungarinnen und Ungarnals politische Immigranten in der Schweizwährend des Kalten Krieges 69

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69 3. Erwünschte Flüchtlinge: Ungarinnen und Ungarn als politische Immigranten in der Schweiz während des Kalten Krieges Die politischen Flüchtlinge aus Ungarn, die in den 1950er, 60er, 70er und 80er Jahren in die Schweiz kamen, trafen hier auf (ehemalige) Landsleute, die zum Teil schon seit längerem – und aus ganz unter- schiedlichen Gründen – in der Eidgenossenschaft lebten. Wie der folgende Überblick über die Geschichte und Gegenwart der unga- rischen Immigration zeigt, überlagerten und vermischten sich ver- schiedene Immigrationswellen, was zu einer entsprechend vielfältigen «ungarischen Schweiz» geführt hat. Mittelalter Zwar bestanden vermutlich seit jeher Beziehungen zwischen Men- schen aus dem Karpatenbecken einerseits und dem Gebiet der heuti- gen Schweiz andererseits. So etwa gehörten beide Gebiete zum Rö- mischen Reich, wodurch sich zweifellos Kontakte administrativer, militärischer und geschäftlicher Art ergaben. Doch macht es frühe- stens für die Zeit nach der magyarischen «Landnahme» (honfoglalás) im Karpatenbecken Ende des 9. nachchristlichen Jahrhunderts über- haupt Sinn, von «Ungarinnen» und «Ungarn» zu sprechen. Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz erstmals aktenkundig wurden die Ma- gyaren zu Beginn des 10. Jahrhunderts anlässlich der sogenannten «Ungarneinfälle». Die Ungarn, «als vollständig rohe Barbaren, wie sie noch Jahrhunderte lang blieben», seien, schreibt Heinrich Düby 1879, «über eine Ecke unseres Vaterlandes dahin gebraust, wie der Hagel über ein Getreidefeld»: «Fürchterlich waren ihre Verwüstungen; und 70 wie sie mit ihrem dämonischen Schlachtgeschrei ‹hui! hui!› den Deutschen und Italienern als wahre Teufel...

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