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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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9. Unterschwelliges mit Konfliktpotentialzwischen den Generationen 467

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467 9. Unterschwelliges mit Konfliktpotential zwischen den Generationen In diesem Kapitel geht es um Unterschwelliges mit Konfliktpotential zwischen den Generationen. Die vorgestellten Phänomene sind inso- fern «unterschwellig», als dass sie in meinen Gesprächen meist nur am Rande zur Sprache kommen und in einigen Fällen wohl auch eher im vorbewussten Bereich angesiedelt sind; sie haben insofern «Kon- fliktpotential», als dass sie die Beziehungen zwischen den Genera- tionen stören und die Tradierung von Zugehörigkeit behindern kön- nen.801 Umgang mit der Vergangenheit Im Umgang mit der Vergangenheit sind grundsätzlich zwei Extrem- positionen denkbar: konsequentes Verdrängen/Vergessen auf der ei- nen Seite, unaufhörliches Erinnern auf der anderen Seite.802 Ersteres hatte man seinerzeit, in den 1970er Jahren, C1M empfohlen: «der [ka- tholische] Pfarrer [...] kam zu uns... und ich wollte mit ihm über [Kar- dinal József] Mindszenty sprechen, aber er sagte: ‹Lassen Sie das, jetzt 801 Unter meinen Gesprächspartnern finden sich jedoch auch Familien, die sich der entsprechenden Phänomene durchaus bewusst sind bzw. allfällige Kon- flikte offen austragen. Was die soziale Interaktion zwischen Familienangehöri- gen unterschiedlicher Generationen – und damit auch die intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit – betrifft, so gibt es generell keine klaren Kau- salitäten und keine starren Mechanismen; vielmehr sind solche Prozesse und Phänomene in ein dynamisches, komplexes Ganzes, die menschliche Lebens- welt, eingebettet und werden hier lediglich aus methodischen Gründen ge- trennt voneinander betrachtet. 802 Dabei handelt es sich um theoretische Extrempositionen, die in der Praxis nie in...

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