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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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10. Schlussfolgerungen 493

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493 10. Schlussfolgerungen Dass sich Kinder von Immigranten oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden fühlen, obwohl sie selbst in der Schweiz aufgewachsen sind und die Herkunftskultur bzw. das Herkunftsland ihrer Eltern nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen, lässt sich immer wieder beobachten und letztlich auch kaum bestreiten. Vielleicht sollte man den konzessiven Nebensatz allerdings präzisieren: obwohl sie die Herkunftskultur bzw. das Herkunftsland ihrer Eltern nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung zu kennen scheinen. Denn auch wenn sie in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, das hiesige Schul- und Bil- dungssystem durchlaufen haben, hier leben und arbeiten, so sind die meisten von ihnen dennoch, wenn auch in unterschiedlichem Masse, in zwei Kulturen sozialisiert worden. Die Herkunftskultur ihrer Eltern kennen sie zwar «nur» (oder zumindest in erster Linie) durch die Ver- mittlung ihrer Eltern, Verwandten, Freunde etc., aber dennoch kennen sie sie und fühlen sich ihr verbunden. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie dieses oftmals diffuse Gefühl der Verbundenheit oder der Zugehörigkeit – bei dem häufig unklar ist, auf was es sich bezieht: auf die Herkunftskultur, auf die Menschen derselben Herkunft, auf das Herkunftsland? – zustan- de kommt. Wer Antworten auf diese Fragestellung sucht, muss sie zunächst sprachlich und begrifflich fassbar machen – im Fachjargon: «operationalisieren» –, was mit zahlreichen Vereinfachungen und Verkürzungen verbunden ist. Erstens konzentriere ich mich auf die ethnische Zugehörigkeit, die lediglich eine Dimension einer mehrdimen- sionalen, im Grunde genommen unteilbaren Gesamtzugeh...

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