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Business Improvement Districts

Erfolgreicher Politikimport aus den USA?

Annette Vollmer

Business Improvement Districts bieten einen neuartigen Ansatz zur Stärkung gewachsener Geschäftsbereiche, der die spezifschen Schwächen der in Deutschland bislang genutzten Instrumente überwindet. Mittlerweile haben sechs Bundesländer entsprechende BID-Gesetze verabschiedet und es gibt mehr als 25 BIDs in Deutschland.
Die BID-Idee stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist ein geradezu idealtypisches Beispiel für die US-amerikanische Grundhaltung, sich selbst zu helfen, statt nach dem Staat zu rufen. Angesichts dieses Gegensatzes im Staatsverständnis sowie weiterer gesellschaftlicher und ökonomischer Unterschiede zwischen den beiden Ländern stellt sich die Frage: Warum konnten BIDs erfolgreich nach Deutschland importiert werden?
Dazu werden im ersten Schritt zunächst die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in den USA und Deutschland und die Einbettung von BIDs in ihrem jeweiligen Kontext analysiert. Aus dem «Varieties of Capitalism»-Ansatz wird dazu ein Vergleichsrahmen entwickelt. Im zweiten Schritt wird dieser mit Ansätzen des Politiktransfers verschränkt, um daraus Thesen ableiten zu können, die sich auch zur Erklärung des Transfers anderer Instrumente eignen. Die Arbeit liefert außerdem erstmals einen Überblick über US-amerikanische BIDs und eine ausführliche Darstellung des ersten deutschen BIDs in Hamburg.

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II Theoretisch-konzeptioneller Rahmen 15

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15 II Theoretisch-konzeptioneller Rahmen 1 Einleitung Anders als in den USA sind BIDs in Deutschland keine Neuerfindung: Ende der 1990er Jahre wurden Consultants auf BIDs in den USA aufmerk- sam, die Idee wurde diskutiert und propagiert, schließlich wurde das Modell von der Politik aufgegriffen und in Hamburg erstmalig eingeführt – oder zusammenfassend: Das Instrument BID wurde von den USA nach Deutschland transferiert. Dabei wurde betont, dass der Selbsthilfegedanke von BIDs typisch für das US-amerikanische Selbstverständnis sei, und da- her bezweifelt, ob dieses Instrument mit der deutschen Mentalität kompati- bel sei, die bei Problemen zunächst nach dem Staat rufe. Obwohl an diesem Punkt BIDs als typisches Produkt der US-amerikanischen Verhältnisse interpretiert wurden, wurde in der Folge der Kontexteinbettung praktisch keine Beachtung mehr geschenkt und konsequenterweise die relevanten Kontextunterschiede zwischen den USA und Deutschland auch nicht sys- tematisch untersucht. In dieser Arbeit möchte ich diese Analyse im Rückblick vornehmen. Dazu bedarf es theoretischer Konzepte, mit denen zum einen die Kontext- einbettung und zum anderen der Transferprozess analysiert werden kann. In diesem Teil der Arbeit werden geeignete Ansätze zur Beantwortung der Forschungsfragen vorgestellt. Aus diesen Überlegungen ergibt sich die Gliederung des theoretisch- konzeptionellen Teils. Im ersten Schritt wird ein Ansatz vorgestellt und dis- kutiert, der verschiedene Ausprägungen von Kapitalismus-Systemen unter- sucht und diese als spezifische Lösungen für die Koordinationsprobleme im ökonomischen System modelliert. Zunächst wird das Thema im Kon- text der Governance-Diskussion und insbesondere der economic governance- Ansätze verortet...

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