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Abschieds- und Sterbekultur

Gestaltung der letzten Lebensphase mit und in Organisationen

Edited By Ruth Baumann-Hölzle and Egli Consulting

Abschied nehmen begleitet Menschen Zeit ihres Lebens. Im Pflegeheim ist dieses Thema Teil des Alltags: Abschied nehmen vom vertrauten Zuhause, von körperlichen und geistigen Fähigkeiten, von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten. Das eigene Sterben ist dabei die letzte Phase in diesem Abschiedsprozess.
Die Abschieds- und Sterbekultur befasst sich mit der Gestaltung dieser Prozesse. Sie hat viele Facetten und Aspekte, denn jeder Mensch und jede Situation ist verschieden. Eine Institution kann einem Menschen Abschied, Sterben, Tod und Trauer nicht abnehmen, sie kann diesen existenziellen Dingen aber bewusst Raum geben und eine Kultur entwickeln und leben, die individuelles Abschied nehmen und Sterben erlaubt.
Dieses Buch zeigt auf, welche Möglichkeiten Pflegeheimen dafür zur Verfügung stehen und in welchem kulturellen, sozialen und ethischen Rahmen sich eine Abschieds- und Sterbekultur vollzieht. Dabei werden auch schwierige Themen wie Suizidwünsche von Heimbewohnern, der Umgang mit Patientenverfügungen und Rituale zur Bewältigung von Abschied und Trauer diskutiert. Basis dafür bilden die Erfahrungen, die in einem Projekt zum Thema in der Bethesda Pflege-Residenz in Küsnacht gesammelt worden sind. Reich illustriert vermittelt das Buch die Grundzüge eines humanen Umgangs mit einer existenziellen Herausforderung jedes Menschen.

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Was ist gelebte Abschieds- und Sterbekultur? 11

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11 Abschiednehmen müssen ist ein Thema, das uns zeitle- bens begleitet. Sprechen wir von Abschiednehmen und Sterben im Pflegeheim, so stehen dabei alte bis sehr alte Menschen im Mittelpunkt. Für sie ist dieses Thema ein Teil ihres Alltags geworden. Abschiednehmen von kör- perlichen und geistigen Fähigkeiten, Abschiednehmen von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten, Abschiednehmen vom vertrauten Zuhause. Der eigene Sterbeprozess ist dabei die letzte Phase in einem mehr oder weniger langen, mehr oder weniger bewusst geleb- ten Abschiedsprozess. Mit der Gestaltung solcher Prozesse befasst sich die Abschieds- und Sterbekultur. Sie hat viele Facetten und Aspekte. Jeder Mensch und jede Situation ist verschie- den – ebenso persönlich und individuell ist das Abschied- nehmen und Sterben. Wenn Menschen mit Menschen in einem Pflegeheim zusammenkommen – die einen als Bewohnerinnen, die anderen als professionelle Betreuende, die dritten als Angehörige – und konfrontiert werden mit existenziellen Situationen wie Leiden, Abhängigkeit, Endlichkeit, Ster- ben und Tod, dann ist das für alle Beteiligten, insbeson- dere auch für die Angehörigen, eine Herausforderung. Abschied, Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben. Es gibt keine Mittel, sie einem betroffenen Men- schen abzunehmen, aber das jeweilige Lebensumfeld kann es ihnen leichter oder schwerer machen. Eine Insti- tution kann Abschied, Sterben, Tod und Trauer bewusst Raum geben. Sie kann eine Kultur entwickeln und leben, die Bewohnerinnen, Betreuende und Angehörige ermutigt, auf ihre je eigene Weise Abschied zu nehmen und ihre Trauer zu leben. Sie kann sich dafür einsetzen, dass die notwendigen Rahmenbedingungen...

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