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20 Jahre Mauerfall

Diskurse, Rückbauten, Perspektiven

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Edited By Marta Fernández Bueno and Torben Lohmüller

Was bleibt mehr als zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer von der Kultur der DDR? Wie wird heute über sie geschrieben und gedacht? Die Beiträge betrachten die ästhetisch-künstlerische Auseinandersetzung mit dem Ende der DDR sowie das intellektuelle Nachleben. Es melden sich Stimmen aus Deutschland, Spanien, Frankreich und den USA zu Wort und bereichern die Debatte durch ihre je eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Hintergründe. Die Beiträge setzen sich einerseits direkt mit Autoren, die wie B. Brecht, S. Hermelin, C. Hein, E. Loest, I. Morgner, H. Müller und C. Wolf in der DDR gewirkt haben, auseinander. Andererseits richten sie aber auch den Blick auf die Generation der «Zonenkinder» und deren Einfluss auf die aktuelle Erinnerung an die DDR; über den diskursiven und materiellen Umgang mit ihrer Geschichte.

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CÉSAR DE VICENTE HERNANDO Brecht und das Ende des sozialistischen Realismus 105

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Brecht und das Ende des sozialistischen Realismus CÉSAR DE VICENTE HERNANDO 1. Vorbedingungen Drei signifikante Beispiele mögen verdeutlichen, wie vermint das Arbeitsfeld eines jeglichen Kulturhistorikers ist, der über die DDR arbeitet. Beispiel 1: 2007 zeigte die spanische Künstlerin Dora García in Leipzig unter dem Titel „Zimmer, Gespräche“ eine Installation mit Überwachungsfotos und -videos. Dabei verwendete sie dokumentari- sches Material aus den Stasi-Archiven, mit denen sie eine imaginäre DDR zu zeigen suchte. Den verantwortlichen Institutionen zufolge jedoch war dies eine reale Beschreibung der Verhältnisse. Man kennt diesen Rekurs aus zahlreichen Filmen, die sich in Hollywood-Manier mit dem ostdeutschen Polizeistaat auseinandergesetzt haben, darunter zuletzt und mit Preisen ausgezeichnet Das Leben der Anderen. Es mag in diesem Zusammenhang erstaunen, dass die größte kriminelle Poli- zeiorganisation der Geschichte, die CIA, bislang noch nicht Gegen- stand der freien Künste geworden ist. Beispiel 2: 2002 veröffentlichte der slowenische Philosoph Slavoj Žižek in Revolution at the Gates seine Neuinterpretation Lenins, in der er in seiner Analyse des Brecht’schen Werks bemerkt: If we want to see Stalinist art at its purest, one name is sufficient: Brecht. Badiou was right to claim that „Brecht was a Stalinist, if, as one should, one understands Stalinism as the fusion of the politics and the philosophy of dialectical material- ism under the jurisdiction of the latter. Or, let us say, Brecht practised a Stali- nized Platonism.“ This is what Brecht’s „non-Aristotelian“ theatre ultimately amounts to: a Platonist theatre in which the...

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