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Narrative Medizin – Erzählende Medizin

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Edited By Martin Frei-Erb

Evidenzbasierte Medizin ist im klinischen Alltag nicht immer von Nutzen, da vor allem chronisch kranke Patienten oft komplexe Krankheitsbilder mit einer individuellen Mischung aus körperlichen, psychischen und sozialen Problemen zeigen. Wie bewältigen Patienten und ihre Angehörigen den Alltag mit solchen Krankheitssituationen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen findet der behandelnde Arzt kaum in Publikationen der quantitativen Forschung. Durch aufmerksames Zuhören erfährt er, wie Patienten ihre Krankheit erleben und empfinden, was für eine Bedeutung sie ihr zumessen und wie sie ihr Leiden in ihrer persönlichen Lebensgeschichte positionieren. Das patientenzentrierte Setting der Narrativen Medizin stärkt das Verhältnis zwischen Patient und Arzt und ermöglicht einen offeneren, persönlicheren Umgang, was dem behandelnden Arzt neue diagnostische und therapeutische Wege eröffnet.
Die Beiträge in diesem Buch stammen aus der interdisziplinären Vortragsreihe zur Narrativen Medizin der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin KIKOM an der Universität Bern im Herbstsemester 2010.

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Vorwort 7

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Vorwort If you listen to your patients, they will tell you their diagnosis Sir William Osler (1849–1919) Die Medizin hat in den letzten Jahrzehnten unbestritten sehr grosse Fort- schritte in Diagnostik und Behandlung vieler Erkrankungen gemacht. Trotz zahlreicher positiver Aspekte dieser Entwicklung gibt es aber auch weniger erfreuliche Tendenzen. Die Technologisierung kann dazu führen, dass wir unsere Patienten nicht mehr als Individuen mit persönlichen Lebens- und Krankheitsgeschichten, mit subjektiven Wertvorstellungen und eigenen Krankheitskonzepten, sondern nur als zu reparierende Organe wahrnehmen. Guidelines sind nützlich um Struktur und Übersicht in komplexen Krank- heitssituationen zu bewahren, bedrohen bei zu schemahafter Anwendung aber das persönliche Gespräch mit unseren Patienten über Anliegen, Erwartungen und Ängste. Die gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass wir immer mehr Patienten mit chronischen Erkrankungen behandeln. Evidenzbasierte Medizin ist dabei nicht immer von Nutzen, da diese Patienten oft kom- plexe Krankheitsbilder mit einer individuellen Mischung aus körperlichen, psychischen und sozialen Problemen haben. Antworten auf Fragen wie zum Beispiel unsere Patienten und ihre Angehörigen den Alltag mit einer solchen Krankheitssituation bewältigen, finden wir kaum in wissenschaft- lichen Publikationen. Durch Zuhören erfahren wir, wie Patienten ihre Krank- heit erleben und empfinden, was für eine Bedeutung sie ihr zu messen und wie sie ihr Leiden in ihrer persönlichen Lebensgeschichte positionieren [1]. Dieses patientenzentrierte Setting stärkt das Verhältnis zwischen Patient und Arzt und ermöglicht einen offeneren, persönlicheren Umgang, was dem be- handelnden Arzt neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten...

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