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Narrative Medizin – Erzählende Medizin

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Edited By Martin Frei-Erb

Evidenzbasierte Medizin ist im klinischen Alltag nicht immer von Nutzen, da vor allem chronisch kranke Patienten oft komplexe Krankheitsbilder mit einer individuellen Mischung aus körperlichen, psychischen und sozialen Problemen zeigen. Wie bewältigen Patienten und ihre Angehörigen den Alltag mit solchen Krankheitssituationen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen findet der behandelnde Arzt kaum in Publikationen der quantitativen Forschung. Durch aufmerksames Zuhören erfährt er, wie Patienten ihre Krankheit erleben und empfinden, was für eine Bedeutung sie ihr zumessen und wie sie ihr Leiden in ihrer persönlichen Lebensgeschichte positionieren. Das patientenzentrierte Setting der Narrativen Medizin stärkt das Verhältnis zwischen Patient und Arzt und ermöglicht einen offeneren, persönlicheren Umgang, was dem behandelnden Arzt neue diagnostische und therapeutische Wege eröffnet.
Die Beiträge in diesem Buch stammen aus der interdisziplinären Vortragsreihe zur Narrativen Medizin der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin KIKOM an der Universität Bern im Herbstsemester 2010.

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ANDREA ABRAHAM Geschichten über Körper, Krankheit und Kontext: Zur Untrennbarkeit von Narration und Medizinanthropologie 43

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Geschichten über Körper, Krankheit und Kontext: Zur Untrennbarkeit von Narration und Medizinanthropologie ANDREA ABRAHAM Von master narratives zum homo narrans Lebensgeschichten, Mythen, Sagen, Sprichwörter, Filme, Interviews, Bilder, Fotographien, Theaterstücke, Demonstrationen, Glasfenster, Comics, Zei- tungsartikel und Gespräche: Sie alle können als Narrationen betrachtet wer- den, da sie uns – explizit oder implizit – etwas erzählen [11, 2, 7]. Narratio- nen bilden eine Gemeinsamkeit aller Menschen: Sie reisen um die Welt [1], durch historische Epochen und kulturelle Gefüge, werden verhandelt, neu interpretiert und von den Menschen eingesetzt um die Welt mit Sinn zu ver- sehen [12]. So bilden Narrationen das Herzstück der Sozialanthropologie (Ethnologie), weil das, was Menschen uns im Forschungsfeld erzählen, sozu- sagen in «narrativen Paketen» [11] daherkommt. Um diese narrativen Pakete zu analysieren, verfügt die Sozialanthropologie über eigene methodische Werk- zeuge, wie sie in der qualitativen Sozialforschung zu finden sind: Qualitative Sozialforschung ist interpretierende Forschung. Sie zeichnet sich durch eine breite Vielfalt an methodischen und theoretischen Ansätzen aus [6]. Deren gemeinsamer Nenner ist ein induktives, iteratives und kontextualisierendes Vorgehen: Im Zentrum steht ein bestimmtes Erkenntnisinteresse (formuliert als Fragen oder Hypothesen), das im Laufe des Forschungsprozesses bearbeitet, konkretisiert oder gar abgeändert – aber weder falsifiziert noch verifiziert – wird. Subjektivität, Kontextabhängigkeit und Partikularität bilden dabei wich- tige Bestandteile, die transparent gemacht werden müssen. Ergebnisse sind keine Generalisierungen im quantitativen oder positivistischen Sinn, sondern sie erhalten ihre generalisierende Form durch Konzepte und Theorien. In den Anfängen der Disziplin wurden...

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