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Narrative Medizin – Erzählende Medizin

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Edited By Martin Frei-Erb

Evidenzbasierte Medizin ist im klinischen Alltag nicht immer von Nutzen, da vor allem chronisch kranke Patienten oft komplexe Krankheitsbilder mit einer individuellen Mischung aus körperlichen, psychischen und sozialen Problemen zeigen. Wie bewältigen Patienten und ihre Angehörigen den Alltag mit solchen Krankheitssituationen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen findet der behandelnde Arzt kaum in Publikationen der quantitativen Forschung. Durch aufmerksames Zuhören erfährt er, wie Patienten ihre Krankheit erleben und empfinden, was für eine Bedeutung sie ihr zumessen und wie sie ihr Leiden in ihrer persönlichen Lebensgeschichte positionieren. Das patientenzentrierte Setting der Narrativen Medizin stärkt das Verhältnis zwischen Patient und Arzt und ermöglicht einen offeneren, persönlicheren Umgang, was dem behandelnden Arzt neue diagnostische und therapeutische Wege eröffnet.
Die Beiträge in diesem Buch stammen aus der interdisziplinären Vortragsreihe zur Narrativen Medizin der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin KIKOM an der Universität Bern im Herbstsemester 2010.

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KLAUS VON AMMON Narrative Medizin in Praxis und Forschung: (un-)Ausgesprochenes zwischen Patient und Arzt 55

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55 Narrative Medizin in Praxis und Forschung: (un-)Ausgesprochenes zwischen Patient und Arzt KLAUS VON AMMON Widmung an eine Anonyma, die mit ihrer Grosszügigkeit viel Arbeit der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin KIKOM ermöglicht. Grundlagen Zunächst benötige ich das Gedächtnis der Lesenden von Kopf bis Fuss, ihre Aufmerksamkeit und ihre Phantasie, denn Forschen heisst: Sehen oder hier Lesen, was jedeR sieht, und denken, was noch keineR ge- dacht hat (Mór Jólai [1825–1904]). Dieser Beitrag hat den Rahmen einer homöopathischen Anamnese: Spontan- bericht, Erläuterung, Nachfragen und Analyse, wobei die Lesenden die Rolle der Ärztin oder des Arztes und der Autor die Rolle des Patienten einnehmen. Zudem wird es zwei Zeitzeichen geben nach 20 Minuten der Erstanamnese und weiteren 20 Minuten des speziellen Berichts, die das Zeitmass einer kon- ventionellen Anamnese darstellen, wie sie im Zeittakt des TARMED in der Schweizer obligatorischen Krankenversicherung vergütet wird. Nach dieser Störung des Gedanken- und Gefühlslebens möchte ich, dass den Lesenden klar wird, das ein weiter – unausgesprochener – Teil dieser Begegnung im Gegensatz zum Vortrag nicht stattgefunden hat: Die Zuhören- den hatten mich gesehen, wahrscheinlich auch beobachtet und möglicherweise nach diesem ersten Eindruck beurteilt. Wer oder was hatte da ohne Worte gesprochen? Worte können kränken, verletzen, aber auch trösten, stärken, Gesundheit fördern, bestenfalls heilen: Platon machte in seinem Dialog «Charmenides» klar, dass ein Heilmittel nur dann wirke, wenn es mit den richtigen Worten verabreicht werde....

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