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«Spielregeln barocker Prosa»

Historische Konzepte und theoriefähige Texturen ‘ungebundener Rede’ in der Literatur des 17. Jahrhunderts

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Edited By Thomas Althaus and Nicola Kaminski

Mit Martin Opitz’ Buch von der Deutschen Poeterey (1624) tritt, als hätte es dieses Signals nur bedurft, eine deutschsprachige Kunstdichtung auf den literaturgeschichtlichen Plan, die sich sogleich vielfältig ausfächert. Als ‘gebundene Rede’, in Versen verfaßte Dichtung, erscheint sie dennoch durch eine gemeinsame Signatur zur einheitlichen Bewegung formiert. Was aber ist mit der barocken Prosa? Sie entwickelt sich parallel, in der literarisch wie theoretisch organisierten Ausschlußsphäre, dies aber keineswegs bloß in Gebrauchs- und Repräsentationstexten, sondern gerade auch im Bereich der Fiktion.
Die vorliegenden Beiträge widmen sich aus unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Textszenarien aus vorsichtig konzeptualisierend diesem Befund, für den es keine tragfähigen Beschreibungssysteme gibt. Sie sind auf der Suche nach Kriterien, die das (scheinbar) unmarkierte Andere der «Poeterey» begrifflich fassen können, und zeichnen in paradigmatischen Momentaufnahmen nach, wie innerhalb des poetologischen Diskurses sich die Hierarchien verschieben: vom anfänglichen Ausschluß der Prosa aus den Poetiken bis hin zur Usurpation der Poetiken durch die Prosa.
Der Band dokumentiert die von den Herausgebern im September 2009 an der Ruhr-Universität Bochum veranstaltete Tagung «Spielregeln barocker Prosa».

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DIETMAR TILL – Oratio ligata / oratio soluta. Zur Genese einer Opposition und den mit ihr entstehenden Normierungslücken in der Poetik der Frühen Neuzeit 229

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DIETMAR TILL (Tübingen) Oratio ligata / oratio soluta. Zur Genese einer Opposition und den mit ihr entstehenden Normierungslücken in der Poetik der Frühen Neuzeit I Zwischen 1966 und 1970 erschienen in rascher Folge drei Studien, die einen Paradigmenwechsel in der Barockforschung herbeigeführt haben: Joachim Dycks Ticht-Kunst (1966), Ludwig Fischers Gebundene Rede (1968) und Wilfried Barners Barockrhetorik (1970).1 Die seit dem Idea- lismus des späten 18. Jahrhunderts nachhaltig diskreditierte Rhetorik wurde als das texttheoretische Fundament der barocken Literatur wie- derentdeckt und rehabilitiert.2 In den 1970er und 1980er Jahren sind – primär unter der Konjunktur sozialhistorischer Methoden in der Litera- turgeschichtsschreibung – eine Reihe von Arbeiten erschienen, die an diese drei Studien anknüpfen: Ich nenne an dieser Stelle, ohne Vollstän- 1 Joachim Dyck: Ticht-Kunst. Deutsche Barockpoetik und rhetorische Tradition. Bad Homburg v. d. H., Berlin, Zürich 1966 (Rhetorik-Forschungen 2); Ludwig Fi- scher: Gebundene Rede. Dichtung und Rhetorik in der literarischen Theorie des Barock in Deutschland. Tübingen 1968 (Studien zur deutschen Literatur 10); Wil- fried Barner: Barockrhetorik. Untersuchungen zu ihren geschichtlichen Grundla- gen. Tübingen 1970. 2 Wie bei jedem Paradigmenwechsel gibt es auch hier ‚Vorläufer‘. Vgl. etwa Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Bern 1948; Renate Hildebrandt-Günther: Antike Rhetorik und deutsche literarische Tradition im 17. Jahrhundert. Marburg 1966 (Marburger Beiträge zur Germanistik 13); mit Einschränkungen auch Karl Otto Conrady: Lateinische Dichtungstradition und deutsche Lyrik des 17. Jahrhunderts. Bonn 1962 (Bonner Arbeiten zur deutschen Literatur 4); Prinzipielles...

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