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«Spielregeln barocker Prosa»

Historische Konzepte und theoriefähige Texturen ‘ungebundener Rede’ in der Literatur des 17. Jahrhunderts

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Edited By Thomas Althaus and Nicola Kaminski

Mit Martin Opitz’ Buch von der Deutschen Poeterey (1624) tritt, als hätte es dieses Signals nur bedurft, eine deutschsprachige Kunstdichtung auf den literaturgeschichtlichen Plan, die sich sogleich vielfältig ausfächert. Als ‘gebundene Rede’, in Versen verfaßte Dichtung, erscheint sie dennoch durch eine gemeinsame Signatur zur einheitlichen Bewegung formiert. Was aber ist mit der barocken Prosa? Sie entwickelt sich parallel, in der literarisch wie theoretisch organisierten Ausschlußsphäre, dies aber keineswegs bloß in Gebrauchs- und Repräsentationstexten, sondern gerade auch im Bereich der Fiktion.
Die vorliegenden Beiträge widmen sich aus unterschiedlichen Perspektiven und von unterschiedlichen Textszenarien aus vorsichtig konzeptualisierend diesem Befund, für den es keine tragfähigen Beschreibungssysteme gibt. Sie sind auf der Suche nach Kriterien, die das (scheinbar) unmarkierte Andere der «Poeterey» begrifflich fassen können, und zeichnen in paradigmatischen Momentaufnahmen nach, wie innerhalb des poetologischen Diskurses sich die Hierarchien verschieben: vom anfänglichen Ausschluß der Prosa aus den Poetiken bis hin zur Usurpation der Poetiken durch die Prosa.
Der Band dokumentiert die von den Herausgebern im September 2009 an der Ruhr-Universität Bochum veranstaltete Tagung «Spielregeln barocker Prosa».

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JÖRG WESCHE – Regeln für den Traum. Literarische Empirie des Sonderbaren in spätbarocker Sachprosa am Beispiel von Johann Christoph Männlings Traum-Tempel (1714) 333

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JÖRG WESCHE (Augsburg) Regeln für den Traum. Literarische Empirie des Sonderbaren in spätbarocker Sachprosa am Beispiel von Johann Christoph Männlings Traum-Tempel (1714) Mit Christoph Männlings Traum-Tempel führt die Frage nach den Spiel- regeln barocker Prosa in den Bereich der Kuriositätensammlungen bzw. der Konversationsliteratur. 1 So versammelt das Traumbuch bis dato bekannte Traumberichte und gibt hiermit ein Beispiel für ein themati- sches Kompendium nichtfiktionaler Prosa in der Frühen Neuzeit. Aller- dings bewegt sich die Sammlung durchaus auf der Schnittstelle zur fik- tionalen Literatur, da sie das Träumen zum Gegenstand macht, das in verschiedener Hinsicht in der Nähe zum Poetischen steht. Denn Träume simulieren Bilder, Empfindungen oder Situationen; sie entfalten ein Geschehen, werden erzählt und sind an die menschliche Einbildungs- kraft bzw. Phantasiefähigkeit (imaginatio) gekoppelt. Dabei unterliegt das Träumen ebenso wie die Traumdeutung einer kulturhistorischen Entwicklung, wie sie zuletzt vor allem Peter-André Alt von der Antike bis zur Moderne eindrucksvoll rekonstruiert hat.2 In dieser Linie wird im Folgenden nach Mustern kultureller Kodierung bzw. Spielregeln der sprachlichen Repräsentation von Träumen bei Männling gefragt. Me- thodisch ist dies aus zwei Gründen reizvoll. Zum einen dokumentiert der bisher kaum erforschte Traum-Tempel auf gut 500 Seiten im Quart- format das breite Spektrum frühneuzeitlicher Traumliteratur in der kul- turhistorisch brisanten Übergangssituation zwischen Barock und Früh- aufklärung. Zum anderen arbeitet der sich selbst als ‚galant‘ einstufende Text mit bestimmten Strategien der Literarisierung, an denen sich be-...

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