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Perspektiven konservativen Denkens

Deutschland und die Vereinigten Staaten nach 1945

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Edited By Peter Uwe Hohendahl and Erhard Schütz

Die Beiträge des vorliegenden Bandes widmen sich vergleichend der Entwicklung des Konservatismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA von 1945 bis heute. Sie gehen dabei auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und wechselseitigen Beziehungen ebenso ein wie auf die wesentlichen Akteure zwischen Politik und Kultur, Theorie und Praxis. Damit liefert der Band erstmals einen Überblick über diese kulturpolitisch höchst einflussreiche Strömung der jüngsten Gegenwart.
Neben historischen Überblicken bietet der Band vor allem Einzelstudien zu einflussreichen Personen und Positionen – u. a. zu Gottfried Benn, Allan Bloom, James Burnham, Carl Schmitt, Arnold Gehlen, Ernst Jünger, Eduard Spranger, Leo Strauss oder Eric Voegelin, aber auch Analysen zu kulturpolitischen Feldern wie Erziehungswesen, Medien und Militär.

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ISABEL HULL – Zwischen Konservatismus und Revolution: Carl Schmitts völkerrechtliche Schriften 105

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ISABEL HULL Zwischen Konservatismus und Revolution: Carl Schmitts völkerrechtliche Schriften Obwohl Carl Schmitt nach 1945 wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit nicht öffentlich lehren durfte, übte er einen schattenhaf- ten intellektuellen Einfluss auf die Bundesrepublik aus. Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Ius Publicum Europaeum (1950) interessierte in den 50er Jahren z. B. die Studenten am Collegium Philosophicum in Münster und an den Ebracher Seminaren in Heidelberg – offensichtlich aber weniger wegen seiner völkerrechtlichen Grundlagen, sondern wegen der Refle- xionen Schmitts über die internationale Lage.1 Heutzutage wiederum be- rufen sich die ‚Links-Schmittianer‘ – vor allem die Kritiker des US-Im- perialismus – auf Nomos, um die darin verankerten ideologischen Gründe des Völkerrechts freizulegen und als eine Art Machtlüge zu enttarnen. Unter Völkerrechtlern selbst wird Schmitt kaum erwähnt; seine Schriften bleiben für die Entwicklung und die Analyse des Völkerrechts eher be- langlos. Trotzdem geben sie Aufschlüsse über Schmitts Konservatismus. Ist Schmitt in eine Reihe mit den so genannten Konservativen Revolu- tionären oder gar den Nationalsozialisten zu stellen? Oder beerbte er den wilhelminischen Staatskonservatismus? Ich möchte hier vor allem die eher vergessenen Hintergründe der Schmitt’schen Argumentationsmuster in Bezug auf die Rechtfertigungen des Kaiserreichs zur Führung des Ersten Weltkrieges herausarbeiten. Diese argumentativen Grundlinien boten später den Rahmen für Schmitts eigensinnige Deutung des Völkerrechts – eine Deutung, an der er konsequent auch in seinen Schriften nach 1945, vor allem im Nomos, festhielt. Seine Annahmen und Ziele offenbaren einen Konservativen, der sich...

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