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Perspektiven konservativen Denkens

Deutschland und die Vereinigten Staaten nach 1945

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Peter Uwe Hohendahl and Erhard Schütz

Die Beiträge des vorliegenden Bandes widmen sich vergleichend der Entwicklung des Konservatismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA von 1945 bis heute. Sie gehen dabei auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und wechselseitigen Beziehungen ebenso ein wie auf die wesentlichen Akteure zwischen Politik und Kultur, Theorie und Praxis. Damit liefert der Band erstmals einen Überblick über diese kulturpolitisch höchst einflussreiche Strömung der jüngsten Gegenwart.
Neben historischen Überblicken bietet der Band vor allem Einzelstudien zu einflussreichen Personen und Positionen – u. a. zu Gottfried Benn, Allan Bloom, James Burnham, Carl Schmitt, Arnold Gehlen, Ernst Jünger, Eduard Spranger, Leo Strauss oder Eric Voegelin, aber auch Analysen zu kulturpolitischen Feldern wie Erziehungswesen, Medien und Militär.

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STEPHEN BROCKMANN – James Burnham und der deutsche Nachkriegskonservatismus 195

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STEPHEN BROCKMANN James Burnham und der deutsche Nachkriegskonservatismus James Burnham (19051987) ist inzwischen fast vergessen, auch in kon- servativen Kreisen. Lange Zeit galt er als einer der Mitbegründer der mo- dernen amerikanischen konservativen Bewegung nach Roosevelts „New Deal“. Er übte maßgeblich Einfluss auf William F. Buckley aus, den Gründer der Zeitschrift The National Review, die weiterhin eine der ein- flussreichsten konservativen Zeitschriften in den USA ist. Noch 1993 bezeichnete Christopher Hitchens Burnham als the real intellectual founder of the neo-conservative movement and the original pro- selytizer, in America, of the theory of ,totalitarianism‘.1 Burnhams Wende vom Trotzkismus zum Konservatismus wurde zeitlich deutlich vor einer ähnlichen Bewegung durch andere Neokonservative vollzogen, z. B. durch Norman Podhoretz (dem langjährigen Herausge- ber der Zeitschrift Commentary) oder durch die verstorbenen Irving Kris- tol und Lucy Dawidowicz. Wie Hitchens richtig anmerkt, war Burnham „the first important Marxist to defect all the way over to the right“.2 Viele dieser Neokonservativen waren jüdischer Abstammung, Burn- ham selbst aber nicht. Er war vor allem Modernist und Machiavellist; die Religion interessierte ihn zumindest in diesem Zusammenhang nicht sonderlich. Aus diesem Grund ist sein offener Einfluss auf den religiös- orientierten rechten Flügel der konservativen Bewegung in den USA – ein Phänomen, das seit den 1980er Jahren immer wichtiger wurde – relativ gering. Aber auch in diesen Kreisen hat Burnhams Antikommunismus und sein Plädoyer für eine amerikanische Vormachtstellung eine beträcht- liche Wirkung evoziert. Burnham war vor allem der intellektuelle Weg-...

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