Show Less

Kollektive Autorschaft in der Kunst

Alternatives Handeln und Denkmodell

Series:

Edited By Rachel Mader

Das Arbeiten in Kollektiven ist in der Gegenwartskunst zur Selbstverständlichkeit geworden. Werke und Projekte sind häufig Ergebnis von Verhandlungen und dem Zusammenspiel zahlreicher Akteure. Die Kunstgeschichte ist weiterhin dominiert vom Einzelkünstler und seinem Œuvre. Die Beiträge im vorliegenden Band fassen entlang von Fallstudien aus mehreren Jahrhunderten den kreativen Prozess jenseits von Geniekult und Schöpfermythen. Sie stellen Gruppenkonstellationen, Arbeitsmodelle und künstlerische Produktionen von Kollektiven oder Netzwerken detailliert vor und zeichnen Interaktion und Austausch als Teil des kreativen Schaffens nach. Die kollektive Praxis wird dabei zur Denkfigur für eine kunstwissenschaftliche Methodik, die ausgehend von aktuellen Produktionsbedingungen Kunst abseits von traditionellen Kategorisierungen als komplexes Gefüge greifbar macht.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Netzwerke 79

Extract

79 Netzwerke 80 81 Der professionelle Netzwerker. On Kawaras postalische Produktions-, Distributions- und Vermarktungsformen in I Got Up, 1968–1979 BARBARA PREISIG On Kawara steht um 9 Uhr 51 auf. Er befindet sich im Pittsburgher Hotel The Motor Lodge, das im Chatham Center untergebracht ist. In der Nähe des Hotels liegt das Three Rivers Stadium. Ansichtskar- ten bilden das damals neu erbaute, futuristisch anmutende Bauwerk ab. Am nächsten Tag, dem 10. Oktober 1973, schickt On Kawara eine solche Postkarte an seinen Galeristen Konrad Fischer an die Neubrück- strasse 12 in Düsseldorf, Westdeutschland. Sie enthält die Nachricht »I GOT UP AT 9.51 A.M.« (Abb. 1). Während elf Jahren sendet On Kawara täglich zwei identische Postkarten an zwei verschiedene Perso- nen,1 die ersten aus Mexiko im Mai 1968, die letzten am 16. Septem- 1 »Each day I send two friends a picture post card from where I am«, 1968, Mexico City, On Kawara, zitiert aus dem Ausstellungskatalog On Kawara, Horizontality/Verticality, vgl. Wilmes 2000, S. 52. Über die Geburtsstunde der Postkartenserie berichtet seine Frau Hiroko in einem Brief vom 14. Juli 1969 an den Kurator Kasper König: »Last spring On’s picture cards which were sent to Japanese annual exhibition won a big prize and involved many people into a scandal. He sent about 60 picture cards stamped ›I GOT UP AT…‹ to a man who was preparing the show. And that what he did was to answer the man personally because the man had...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.