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Kollektive Autorschaft in der Kunst

Alternatives Handeln und Denkmodell

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Edited By Rachel Mader

Das Arbeiten in Kollektiven ist in der Gegenwartskunst zur Selbstverständlichkeit geworden. Werke und Projekte sind häufig Ergebnis von Verhandlungen und dem Zusammenspiel zahlreicher Akteure. Die Kunstgeschichte ist weiterhin dominiert vom Einzelkünstler und seinem Œuvre. Die Beiträge im vorliegenden Band fassen entlang von Fallstudien aus mehreren Jahrhunderten den kreativen Prozess jenseits von Geniekult und Schöpfermythen. Sie stellen Gruppenkonstellationen, Arbeitsmodelle und künstlerische Produktionen von Kollektiven oder Netzwerken detailliert vor und zeichnen Interaktion und Austausch als Teil des kreativen Schaffens nach. Die kollektive Praxis wird dabei zur Denkfigur für eine kunstwissenschaftliche Methodik, die ausgehend von aktuellen Produktionsbedingungen Kunst abseits von traditionellen Kategorisierungen als komplexes Gefüge greifbar macht.

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Engagement 207

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Engagement Irwin – Retroprinzip und Kollektivität als Programm MARC MUNTER Kollektive Aneignungen und Festschreibungen An der Biennale von Venedig 2003 waren gleich an mehreren Orten Adaptionen von Ikonen der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Produktion osteuropäischer Künstlerkollektive zu sehen. Die Exponate wirkten dilettantisch gemalt und schwerfällig, waren gegenüber ihren Vorbildern vor- und rückdatiert oder in anderen Medien ausgeführt. Im Folgenden werden diese Strategien der Aneignung und ihre Bedeu- tung für die spezifisch östlichen Künstlergruppen näher beleuchtet. Das slowenische Künstlerkollektiv Irwin setzt die Gruppierungen und Einzel- künstler immer wieder miteinander in Bezug, erweitert die eigene Kollek- tivstruktur und verschafft der osteuropäischen Kunst mittels eigener Ge- schichtsschreibung ein kollektives Gedächtnis. Das Kollektiv steht hier am Anfang einer komplexer werdenden Organisationsform. Es behaup- tet sich als künstlerisches Programm, das in der Überspitzung sich selbst und die angeeigneten »Vorbilder« beständig thematisiert und befragt. Im Pavillon von Serbien und Montenegro ließ der Titel International Exhibition of Modern Art featuring Museum of Modern Art New York, 2013 zunächst auf eine Rekonstruktion der legendären Armory Show von 1913 schließen. Stattdessen waren jedoch rund 40 Kopien von »Meister- werken« der Klassischen Moderne ausgestellt, alle aus der Zeit nach 1913. Unter ihnen Nachahmungen von Werken Wassily Kandinskys oder Piet Mondrians, die auf die 1980er Jahre oder später datiert worden waren. Installative Arbeiten von Carl André oder Joseph Kosuth wurden kurzerhand als Gemäldefassungen aus den 1910er Jahren...

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