Show Less

Magie und Sprache

Series:

Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Roland Schmiedel – Tabubrüche in Hans Christoph Buchs Kain und Abel in Afrika (2001) 95

Extract

Tabubrüche in Hans Christoph Buchs Kain und Abel in Afrika (2001) Roland Schmiedel (University of Stellenbosch) Hans Christoph Buchs Roman Kain und Abel in Afrika1 ist ein vielschichti- ger Roman, der die komplexe Historie Ruandas und zugleich die europäi- schen Kolonialbeziehungen zu Ruanda berücksichtigt und kritisch Zusam- menhänge aufzeigt. In diesem Beitrag möchte ich die Konstruktion des Reportageromans vorstellen und zeigen, wie H.C. Buch in zwei voneinan- der getrennten Erzählebenen mit sexuellen Tabus bricht und zugleich ver- sucht, Elemente der ruandischen kolonialen Vergangenheit mit der Gegen- wart in Verbindung zu bringen. In einer Gegenwartserzählung (Du-Erzählung)2 werden Geschehnisse des ruandischen Bürgerkrieges der 1990er Jahre vorgestellt und von aus- schweifenden sexuellen Beziehungen des Protagonisten erzählt. In einer historischen Erzählung (Ich-Erzählung) wird eine Forschungsexpedition zu den Nilquellen vorgestellt und eine homosexuelle Beziehung zwischen dem deutschen Forschungsreisenden Richard Kandt und dessen persönlichem Diener Mabruk konstruiert. In beiden Erzähleinheiten wird mit sexuellen Tabus gebrochen und beide sind dadurch gekennzeichnet, dass die jeweilige Beziehung der Protagonisten mit dem Tod des als exotisch wahrgenomme- nen Fremden endet. 1 Hans Christoph Buch: Kain und Abel in Afrika. Berlin: Volk und Welt, 2001. Im Folgenden zitiert als KA. 2 Im ersten, dritten und fünften Kapitel verwendet H.C. Buch als erzählendes Subjekt einen Du-Erzähler, der in der Gegenwartsebene von sich selbst in der zweiten Person Singular Präsens spricht: „In Wirklichkeit hat deine Geschichte viel früher begonnen […]“ (KA 15); „[…] aber das...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.