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Magie und Sprache

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Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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Kira Schmidt – Die ‚Magie der Namen‘. Zur Reisetexten von Annemarie Schwarzenbach, Thomas Stangl und Ilija Trojanow 119

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Die ‚Magie der Namen‘. Zur Reisetexten von Annemarie Schwarzenbach, Thomas Stangl und Ilija Trojanow Kira Schmidt (University of the Western Cape) In diesem Beitrag möchte ich mich mit der ‚Magie der Namen‘ in Reise- texten dreier deutschsprachiger Autoren beschäftigen: Die Schweizer Autorin Annemarie Schwarzenbach verstarb 1942 im Al- ter von 34 Jahren. Ihre schriftstellerische und journalistische Haupttätigkeit fällt in die 30er Jahre, in denen sie v.a. Reisetexte (Feuilletons, Reportagen und Prosa) verfasste. Schwarzenbachs literarische Beschäftigung mit der ‚Magie der Namen‘ soll mit zwei Gegenwartsautoren verglichen werden: Der Österreicher Thomas Stangl1 debütierte im Jahre 2004 mit dem Ro- man Der einzige Ort2 und der in Bulgarien geborene Ilija Trojanow3 landete zwei Jahre später mit dem Roman Der Weltensammler4 einen Kassenschla- ger. Beide Gegenwartsromane lassen sich ohne weiteres der Reiseliteratur zuordnen, denn das Reisen ist jeweils ein wichtiger Bestandteil der Texte. Repräsentativ für Schwarzenbach wähle ich eines ihrer vermeintlichen Hauptwerke, nämlich Das glückliche Tal5 aus, das sich ebenso der Reise- literatur zuordnen lässt. Dieser Text gründet auf einer früheren Fassung, näm- lich dem „unpersönlichen Tagebuch“: Tod in Persien. Beide Texte ähneln sich in ihrer Handlung, doch unterscheiden sie sich in ihrer Struktur und somit auch in ihrer (literar-ästhetischen) Aussage. Tod in Persien ist während Schwarzenbachs drittem Persienaufenthalt entstanden. Die Überarbeitung des Textes in Das glückliche Tal nahm Schwarzenbach auf einer Entzie- 1 Stangl studierte in Wien Philosophie und Hispanistik und schloss sein...

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