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Magie und Sprache

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Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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Stephan Mühr – Der Sohn im „Erlkönig“ hat kein Fieber 197

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Der Sohn im „Erlkönig“ hat kein Fieber Stephan Mühr (University of Pretoria) 1. Einleitung Anlass zu dem Wagnis, über eines der bekanntesten deutschen Gedichte eine weitere Diskussion zu führen, ist ein dreifacher. Erstens: Seit meiner Schulzeit kenne ich die Interpretation, der Sohn habe Fieber.1 Und seit der Schulzeit hat mich das irritiert. Zweitens: Der „Erlkönig“ gilt seit Wolfgang Kayser als „naturmagische Ballade“;2 das passt zu dem Konferenzthema, doch sollte diese Gattungsbezeichnung einer kritischen Betrachtung unter- zogen werden. Drittens: Schließlich arbeite ich an einem Forschungsprojekt, welches Konzepte der literarischen Fremdheit mit konkreter DaF-Lehre zu verbinden sucht. Für den interkulturellen Fremdsprachenunterricht gilt es als besonders interessant zu beobachten, wie – am Beispiel des „Erlkönigs“ – das Fremde in einem Text auftaucht, welche Formen und Funktionen es annimmt und wie es gegebenenfalls wieder verschwindet. Bernhard Waldenfels unterscheidet zwischen alltäglicher, struktureller und radikaler Fremdheit.3 Mit alltäglicher Fremdheit (z. B. zum Postboten, 1 So schreibt etwa Max Liedtke: „[Es ließe] sich vermuten, der Junge ist an einer unbehandelten Hirnhautentzündung gestorben, die mit Bewusstseinsstörungen, wie sie im Erlkönig geschildert sind, einhergehen kann. Ebenso könnte auch ei- ne unbehandelte fiebrige Lungenentzündung [...] die Todesursache gewesen sein.“ Max Liedtke: Woran ist das Kind in Goethes „Erlkönig“ gestorben? – Anmerkungen über die Entstehung von Religionen und über die Existenz ‚Got- tes‘. In: Pädagogische Rundschau 46 (1992), 69–82, hier S. 71. Ein anderes Beispiel ist Neva Šliba: „Goethe ist zu sehr Dramatiker, um die ‚Krankheit...

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