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Magie und Sprache

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Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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Undine S. Weber – Entzauberung der Moderne. Wolfgang Koeppen, Charles Baudelaire und Thomas Mann 273

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Entzauberung der Moderne. Wolfgang Koeppen, Charles Baudelaire und Thomas Mann Undine S. Weber (Rhodes University) Man sollte meinen, außer in Bezug auf den Nachlass gäbe es nicht mehr viel zu sagen zum Werk Wolfgang Koeppens. Wie allerdings in neueren Arbei- ten ersichtlich, gibt es wieder ein gesteigertes Interesse an intertextuellen Bezügen in Wolfgang Koeppens Werk, und auch dieser Aufsatz wird sich damit befassen, insbesondere mit der Rolle eines der Urväter der Moderne, Charles Baudelaire, und mit Thomas Manns Einfluss auf Wolfgang Koep- pens drei Romane der 1950er Jahre.1 Gerade diese drei erscheinen zu einem beinahe erschreckenden Maße aktuell in einer (wieder-) vereinigten deut- schen Gesellschaft – der „dritte Weltkrieg“2 droht zwar nicht mehr, doch religiöser Fanatismus, das vielen unverständliche Agieren der Politiker, die ebenso häufig undurchschaubaren Wege der deutschen Diplomatie, nicht nachlassender Rassismus, Korruption, Sexismus bestehen weiter, deren Manifestationen in Koeppens Romanen auf den gleichen Ursprüngen wie die der Gegenwart beruhen und die sich nicht nur in deutschsprachigen Autoren der Moderne, sondern auch besonders in der anglo-amerikanischen Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden. In der Koeppenforschung werden zwar immer wieder, und, verstärkt in letzter Zeit, Untersuchungen zur Intertextualität unternommen, aber manche recht offensichtlichen Bezüge werden oft in der Forschung außer Acht ge- lassen. Gerne verweist man auf Joyce im Hinblick auf Tauben im Gras, das Treibhaus wird oft im Kontext der Intertextualität gänzlich vernachlässigt3, 1 Wolfgang Koeppen hat die drei Romane Tauben im...

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