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Magie und Sprache

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Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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Kathleen Thorpe – „ein Steinwurf gegen die Stille“ – Johannes Bobrowski als Sprachmagier 289

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„ein Steinwurf gegen die Stille“ – Johannes Bobrowski als Sprachmagier Kathleen Thorpe (University of the Witwatersrand) Der Titel dieses Beitrags ist der letzten Strophe des am 10.2.1961 datierten Gedichts „Landung in Yucatan“ aus der Nachlassammlung Im Windgesträuch entnommen. Das Gedicht war anscheinend von der Lektüre des Romans Un- sere Jahre umgürten sich. Roman aus dem alten Mexiko, den Bobrowski für den Union Verlag lektorierte, angeregt und bezieht sich auf den Anfang der Eroberungszüge von Hernando Cortez im Jahre 1519. Was an diesen Zeilen fasziniert, ist die Übersetzung der menschlichen Rede in ein anderes Me- dium, um das Schweigen, das durch die Zerstörung verursacht wurde doch hörbar zu machen, und zwar in einem menschlichen Überlebenszeichen: Rede in unvernehmbar hohen Tönen, das Schweigen und erhob sich der Welt, ein Herzschlag aber war hörbar, blutig ein Steinwurf gegen die Stille.1 Das Entgegenwirken der Stille, in der die Vergangenheit ruht, ist ein Kenn- zeichen der Lyrik Johannes Bobrowskis und erscheint in verschiedenen Formen und Ausdrucksweisen, aber immer mit einem Apellcharakter, der zum sprachmagischen Charakter seiner Lyrik beiträgt. Die Herkunft Bobrowskis gibt Aufschluss über seine Intention und die Themen seines Werkes, die Erinnerung an seine verlorene Heimat, ist häu- fig auch die Quelle seiner Inspiration. Johannes Bobrowski wurde am 9. April 1917 in Tilsit, Ost-Preußen geboren und starb am 2. September 1965 in Ostberlin. Über seine Kindheit berichtete er: „Aufgewachsen auf beiden Seiten der Memel, zeitweise auf dem Kleinbauernhof der Großeltern im da-...

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