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Wolfgang Hildesheimer und England

Zur Topologie eines literarischen Transfers

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Edited By Rüdiger Görner and Isabel Wagner

In Leben und Werk Wolfgang Hildesheimers kommt England der Status eines Kulturtopos zu, der in bestimmten Lebensphasen prominent, in anderen verschleiert in Erscheinung trat. Der Einfluss englischsprachiger Autoren prägte Hildesheimers Schaffen – von Shakespeare, Shaw, Joyce, T. S. Eliot über Barnes und Beckett – und die englische Sprache durchzieht Werk und Briefe. Wie läßt sich die englische Topografie in Hildesheimers Werk vermessen? Wie das Geopoetische in seinen England-Bezügen werten? Auf welches ‘England’ bezog sich Hildesheimer? War es jenes Shakespeares, Shaws, T.S. Eliots, Becketts oder die Welt des James Joyce? Was am Englischen äußerte sich stilbildend, sprachprägend in seinem Werk? Dieser Band dokumentiert erstmals thematisch zusammenhängend die Lebensspuren Hildesheimers im englischen Kulturraum und die Spuren des Englischen in seinem literarischen und bildkünstlerischen Œuvre. Er präsentiert die Ergebnisse der Tagung «Wolfgang Hildesheimer und England», die im September 2010 am Queen Mary College der University of London stattfand.

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III Narratologische Bilder

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Abb. 15: Wolfgang Hildesheimer: London Review. Bericht aus London, erschienen in: Radio Week, Jerusalem, etwa 1946 Aus dem Leeren schöpfen. Wolfgang Hildesheimers und W. G. Sebalds Blicke auf die englische Küstenlandschaft Christoph Pflaumbaum Wenn im Folgenden nicht nur über englische Küstenlandschaften nachge- dacht werden soll, sondern auch über den Begriff der Leere, der in den zu behandelnden Texten mit der Küste auf vielfältige und ambivalente Weise in Beziehung gesetzt wird, ist dies einer gedoppelten Perspektive geschuldet. Ausgehend vom topographischen Übergang des Festlands hin zum Meer kann in den Texten Zeiten in Cornwall von Wolfgang Hildesheimer und W. G. Sebalds Die Ringe des Saturn beobachtet werden, wie Leere1 als komplexe Beobachtungskategorie des Raumes fungiert und zugleich auch hinsichtlich produktiver Verfahrensweisen als poetologisches Problem ent- faltet wird. Dabei soll argumentiert werden, dass diese beiden Texte den ‚Zustand der Leere‘ infolge einer komplexen Erfahrungsweise mit einer ‚produktiven Leere‘ als prekären poetischen Schaffensprozess verklammern. Nach einer kurzen Hinführung zu Hildesheimers und Sebalds Werken wird in einem ersten Schritt die Topographie der englischen Küstenlandschaften, die in beiden Texten als vordergründiges Thema verhandelt wird, beschrie- ben, um auf die Modi der Raumwahrnehmung hinzuweisen. Darauf aufbau- end kann schließlich in einem weiteren Schritt die poetologische Dimension erörtert werden, der auf subtile Weise in beiden Texten zur Anschauung verholfen wird. I. Vergleichende Perspektiven auf England Legt man den 1971 veröffentlichten Bericht Zeiten in Cornwall und die 24 Jahre später publizierten Die Ringe des Saturn vergleichend...

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